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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

Series:

Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Jörg Jungmayr (Berlin) - Max Brod im Ersten Weltkrieg

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Jörg Jungmayr (Berlin)

Max Brod im Ersten Weltkrieg

Dem Thema „Max Brod im Ersten Weltkrieg“ will ich mich in drei Schritten nähern. In einem ersten Teil wird der Kriegsausbruch aus der retrospektiven Sicht Brods nachgezeichnet. Es werden dann zwei Romane vorgestellt, die unmittelbar vor bzw. bei Kriegsausbruch erschienen sind und in denen es um die Frage nach der Verfasstheit einer Gesellschaft, die in den Krieg ziehen sollte, und um mögliche Alternativen zu dieser Verfasstheit geht. Zuletzt werden die Stellungnahmen Brods zum Krieg während der Jahre 1914 bis 1918 untersucht und in Beziehung zu seinem während dieser Zeit sich entwickelnden Zionismus gebracht, um dann zu einer abschließenden Bewertung zu kommen.

Eine wichtige Quelle, die noch unbekanntes und weiterführendes Material zum Thema bieten könnte, bleibt uns auf absehbare Zeit verschlossen, ich meine den in Tel Aviver und Züricher Bankschließfächern aufbewahrten, aus 40.000 Seiten bestehenden Nachlass, den die Nachlasserbin Eva Hoffe gerne nach Marbach verkauft hätte, der aber nach einem zweitinstanzlichen Urteil an die Hebräische Nationalbibliothek in Jerusalem gehen soll.1 Die Presse hat den Streit mit großem Interesse verfolgt, aber bezeichnenderweise ging es bei den Berichten nie um Brod, seine Korrespondenz und sein Tagebuch, sondern immer nur um Kafka. Nach wie vor gilt die Feststellung, die Peter Demetz in seinem Artikel Das Genie von der Post – Brod war bis 1918 höherer Beamter bei der k.u.k. Post – zum hundertsten Geburtstag...

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