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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

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Edited By Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Günter Häntzschel (München) - „Juden, die wie Imitationen wirkten, so echt sahen sie aus.“ Jüdische Figuren in Siegfried Kracauers Roman Ginster. Von ihm selbst geschrieben.

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Günter Häntzschel (München)

„Juden, die wie Imitationen wirkten, so echt sahen sie aus.“1 Jüdische Figuren in Siegfried Kracauers Roman Ginster. Von ihm selbst geschrieben

In einem Interview mit Ludwig Renn und Ernst Glaeser über neue Kriegsbücher äußert Siegfried Kracauer 1929: „Das Buch, das auf die meisten Hindernisse auf seinem Weg stößt, ist „Ginster“, dessen Autor mir sehr nahe steht, ein Roman über das normale Alltagsleben im Frieden und im Krieg, weshalb es der Opposition seitens der Konservativen bis zu den Oppositionellen der Linken und der extremen Linken ausgesetzt ist.“2 Diese Aussage bleibt eigentümlich unspezifisch, kann jedoch an Überzeugungskraft gewinnen – so meine These –, wenn das im Roman zwar nicht eigens genannte, aber doch angedeutete jüdische Milieu in Thematik und Figurenzeichnung fokussiert und in seinen Funktionen analysiert wird. Unter diesem Aspekt ist der 1928 erschienene Roman des jüdischen Autors Siegfried Kracauer, Ginster. Von ihm selbst geschrieben bisher noch nicht gelesen worden.

Ich skizziere in textnaher Lektüre zuerst den Roman Ginster im jüdischen Kontext Siegfried Kracauers der zwanziger Jahre, hebe zweitens die Divergenz zwischen Autobiographie und Roman hervor, frage drittens, ob Ginster als jüdische Figur charakterisiert ist und suche viertens die Figuren Ginster und Valentin als zwei konträre jüdische Stereotype auszumachen. Daraus ergibt sich die Frage, ob Kracauers Roman als Kritik und Selbstkritik am jüdischen Habitus der Kriegs- und Nachkriegszeit zu lesen ist.

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