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Kriegstaumel und Pazifismus

Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg

Series:

Hans Richard Brittnacher and Irmela von der Lühe

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde von der überwiegenden Zahl der deutschen Intellektuellen und Schriftsteller emphatisch begrüßt – auch von den deutschen Juden, die im Kampf fürs Vaterland eine Möglichkeit sahen, ihren Patriotismus und ihre gelungene Assimilation unter Beweis zu stellen. Diese Ansicht hat lange die Forschung dominiert. Die im vorliegenden Band versammelten Beiträge überprüfen aus interdisziplinärer Sicht diese These und gelangen bei der Lektüre und Analyse von Schriften, Briefen, Dichtungen und Dokumenten tonangebender jüdischer Intellektueller zu einem komplexeren Befund, der zwischen Kriegsbegeisterung und -skepsis, Duldung und Protest oszilliert.
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Gesa Dane (Berlin) - Schreiben im Krieg. Else Lasker-Schüler

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Gesa Dane (Berlin)

Schreiben im Krieg. Else Lasker-Schüler

Der Ausbruch des Krieges im August 1914 markierte für Else Lasker-Schüler einen Einschnitt, wie tief dieser war und wie schmerzlich, lässt ein Satz erahnen, der zu den kürzesten aus ihrer Feder gehört: „Das war alles vor dem Krieg.“1 Dieser Satz stammt aus dem Jahr 1916, mit ihm endet ein Prosatext, der einem Gedicht auf den im Krieg gefallenen Maler Franz Marc vorangestellt ist.

Bei Kriegsbeginn waren Else Lasker-Schüler und ihr Sohn Paul für einige Wochen zur Erholung in Bayern, zunächst in Rottach-Egern – „spinatidyllen langweile enorm […]“2. Jäh änderte sich dieses Bild nach Kriegsbeginn, ihre Briefe sind von dem Zeitpunkt an durchzogen von der Sorge um Freunde: „Ist Kurt im Krieg?“3, so erkundigt sie sich – noch von München aus – bereits am 7. August nach einem entfernten Bekannten. Georg Trakl sollte der erste ihr Nahestehende sein, der bereits Anfang November 1914 im Krieg ums Leben kam, er starb am 3. November 1914 an einer Überdosis Kokain im Krakauer Militärkrankenhaus. Wenn sie schreibt, sie wäre gern „mit Trakl in den Krieg gezogen, ich die ich zwischen Unverständlichsten, Schmerzlichsten lebe, kein Blut jagt mir Schreck ein, und die abgeschlagenen Kinderhändchen hätte ich gerächt und die Herzen meiner Freunde“4, dann signalisiert das zweierlei, sie möchte dem, den sie vermisst, nahe sein, zugleich weiß sie von dem Grauen...

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