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Kolonialismus und Dekolonisation in nationalen Geschichtskulturen und Erinnerungspolitiken in Europa

Module für den Geschichtsunterricht

Uta Fenske, Daniel Groth, Klaus-Michael Guse and Bärbel P. Kuhn

Dieser Band bietet Lernenden und Lehrenden einen neuen Zugang zu der Frage, welche Rolle Kolonialismus und Dekolonisation in einer geteilten europäischen Vergangenheit spielen, und stellt Materialien für den Geschichtsunterricht bereit. Die Beiträge sind das Ergebnis des EU-Projektes CoDec, in dem Partner aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, Österreich, Polen und der Schweiz zusammengearbeitet haben. Die einzelnen Module beschäftigen sich mit kolonialen Vergangenheiten, Prozessen von Dekolonisation und Erinnerungspolitiken in verschiedenen Ländern in vergleichender und transnationaler Perspektive. Sie bieten anregende Quellen und konkrete Vorschläge für einen zeitgemäßen Geschichtsunterricht an Europas Schulen.
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Übersee-Kolonialismus als Prozess verstehen: Zur Einführung

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Eine lange Periode der neuzeitlichen Geschichte, ungefähr vom 15. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, war geprägt durch den Aufstieg und Fall von Imperien – der Niederländer, Portugiesen, Spanier, Franzosen und Briten. Mit jedem einzelnen dieser Imperien war Kolonialismus verbunden, ein Prozess, der die Erfahrungen von Millionen von Menschen sowohl inner- als auch weit außerhalb Europas prägte und definierte. Nach Nicholas B. Dirks, einem der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kolonialismusforschung, kann Kolonialismus verstanden werden als „Ausdruck von Dominanz und Hegemonie, klassischerweise in der Form politischer Herrschaft und wirtschaftlicher Kontrolle über Territorien und Völker außerhalb Europas durch einen europäischen Staat“.1 Während „Kolonialismus“ politische Herrschaft und wirtschaftliche Kontrolle einschließt, impliziert der Begriff im europäischen historischen Kontext ebenfalls Expansion nach Übersee. Diese war ihrerseits durch charakteristische Merkmale wie die Erforschung von Territorien außerhalb Europas, die Errichtung von Kolonien auf anderen Kontinenten sowie die Idee, diese Kolonien würden sich auf bestimmte Waren spezialisieren, gekennzeichnet. Darüber hinaus sind Bevölkerungsentwicklung, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, symbolische Ausdrucksformen von Überlegenheit, christliche Mission, der Wettstreit mit anderen Weltmächten und die sukzessive Zerstörung früher existierender politischer, kultureller und gesellschaftlicher Systeme der einheimischen Bevölkerungen weitere Merkmale. Im Wesentlichen drehte sich der Kolonialismus in Übersee um territoriale Landnahme und die Ausweitung europäischer wirtschaftlicher Systeme und politischer Prozesse auf nicht-europäische Völker.2

Diskutiert man Kolonialismus in Übersee und die damit assoziierten Handlungen, ist...

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