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Sŏwŏn – Konfuzianische Privatakademien in Korea

Wissensinstitutionen der Vormoderne

Series:

Eun-Jeung Lee

Sŏwŏn waren konfuzianische Privatakademien, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Korea rasch verbreiteten. Sie waren Orte der Generierung, Weitergabe und Stabilisierung verschiedener Formen von Wissen, aber auch Institutionen mit eigenständigen Ordnungen, die ihr eigenes Funktionieren wie auch ihr Verständnis und ihren Umgang mit Wissen regulierten. Die Autorin analysiert, wie und in welcher Form das neokonfuzianische Wissen in den Sŏwŏn institutionalisiert und wie dieses institutionalisierte Wissen in der Praxis gehandhabt wurde. Sie untersucht sowohl die Akteure und Prozesse der Institutionalisierung als auch die Formen des Wissenstransfers innerhalb, zwischen und jenseits dieser konfuzianischen Privatakademien.
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III. Schlussbetrachtung

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III.  Schlussbetrachtung

Der oben dargestellte historische Prozess der Entwicklung und Etablierung der Sŏwŏn war zugleich ein Prozess der Durchsetzung der Geltungsansprüche der Sŏwŏn als Wissensinstitution. Man kann dabei zwei Ebenen unterscheiden, nämlich die der Phänomene, also der konkreten Ereignisse und Aktivitäten, sowie eine Meta-Ebene, also die der Institutionen, Ideologien, Hierarchien, gesellschaftlichen und politischen Ordnungen überhaupt, in deren Rahmen sich die konkreten Ereignisse und Aktivitäten entwickeln und konstituieren. Zur Meta-Ebene gehören das Selbstverständnis und die Geltungsansprüche der Sŏwŏn als konfuzianische Privatakademien. Dort wurde das Wissen von kanonischen Schriften, Geschichts- und staatswissenschaftlichen Werken wie auch das von Ritualen als performative Reifikation von Wissen und Affirmation gepflegt, unterrichtet und verbreitet. Dieses Wissen erstreckte sich in der Chosŏn-Dynastie, die den Neo-Konfuzianismus zum staatstragenden Grundprinzip erklärt hatte, sowohl auf das Individuum als auch auf den Staat. Diese beiden Bereiche waren nicht voneinander getrennt, sondern ineinander verschränkt. Sie wurden als Ausdruck ein und desselben Prinzips verstanden. Individuelles ethisches Handlungswissen war gleichzeitig die Grundlage für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Lenkung des Staates. Ethisches Handlungswissen diente zugleich als Richtschnur für die Interpretation historischer Ereignisse und Präzedenzfälle und wurde durch diese rekursiv bestärkt und zur Legitimationsressource seiner Geltungsansprüche. In diesem Kontext konstituierten sich sowohl die staatlichen Schulen und Akademien als auch die Privatakademien Sŏwŏn. Sie nahmen einen zentralen Platz in diesem konfuzianischen Wissensraum ein, den sie...

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