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Sŏwŏn – Konfuzianische Privatakademien in Korea

Wissensinstitutionen der Vormoderne

Series:

Eun-Jeung Lee

Sŏwŏn waren konfuzianische Privatakademien, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Korea rasch verbreiteten. Sie waren Orte der Generierung, Weitergabe und Stabilisierung verschiedener Formen von Wissen, aber auch Institutionen mit eigenständigen Ordnungen, die ihr eigenes Funktionieren wie auch ihr Verständnis und ihren Umgang mit Wissen regulierten. Die Autorin analysiert, wie und in welcher Form das neokonfuzianische Wissen in den Sŏwŏn institutionalisiert und wie dieses institutionalisierte Wissen in der Praxis gehandhabt wurde. Sie untersucht sowohl die Akteure und Prozesse der Institutionalisierung als auch die Formen des Wissenstransfers innerhalb, zwischen und jenseits dieser konfuzianischen Privatakademien.
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Exkurs: Moderne Diskurse über Sŏwŏn

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Exkurs:  Moderne Diskurse über Sŏwŏn

(Martin Gehlmann)

Die modernen Diskurse über die konfuzianischen Akademien in Korea und China werden durch unterschiedlichen Narrativen geprägt, die sich in verschiedenen Interpretationen einer Institution ausdrücken, die in der Geschichte beider Gesellschaften tatsächlich eine relativ ähnliche Rolle einnahmen. Diese verschiedenartigen Interpretationen stammen hauptsächlich aus den unterschiedlichen Erfahrungen, die Korea und China in der Konfrontation mit der westlichen Moderne durch den europäischen und japanischen Imperialismus machten und die sozialen und politischen Umbrüche, die durch diese ausgelöst wurden. Diese Konfrontation kann anhand der geschichtlichen Re-Evaluierungen des Neo-Konfuzianismus bzw. Konfuzianismus nachvollzogen werden. In China wurden diese Neu-Interpretationen zunehmend radikaler und kumulierten in einer totalen Ablehnung der konfuzianischen Tradition, die mit der feudalen Vergangenheit Chinas gleichgesetzt und dementsprechend als ausbeuterisches System betrachtet wurde. Das einzige im konfuzianischen Ordnungssystem enthaltene Element, das nie vollkommen diskreditiert wurde, ist die Betonung von Selbst-Kultivierung durch Lernen und die damit einhergehende Bedeutung von Bildung für die Gesellschaft. Konfuzianische Akademien wurden in der chinesischen Interpretation als historische Institution so zu dem Ausdruck dieses ‚akzeptablen‘ Aspekts des Konfuzianismus. Mit dessen gegenwärtiger Wiederbelebung als identitätsstiftende chinesische Tradition wurden auch die Akademien zunehmend hauptsächlich unter diesem Aspekt wahrgenommen. Gleichzeitig standen Akademien in Korea für Stagnation, Nepotismus und politische Fraktionskämpfe, die das Land letztlich, so die Narrative, von der Entwicklung einer Moderne fernhielten. Tatsächlich war diese Interpretation besonders unter japanischen Historikern verbreitet, welche versuchten, die...

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