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Sŏwŏn – Konfuzianische Privatakademien in Korea

Wissensinstitutionen der Vormoderne

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Eun-Jeung Lee

Sŏwŏn waren konfuzianische Privatakademien, die sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts in Korea rasch verbreiteten. Sie waren Orte der Generierung, Weitergabe und Stabilisierung verschiedener Formen von Wissen, aber auch Institutionen mit eigenständigen Ordnungen, die ihr eigenes Funktionieren wie auch ihr Verständnis und ihren Umgang mit Wissen regulierten. Die Autorin analysiert, wie und in welcher Form das neokonfuzianische Wissen in den Sŏwŏn institutionalisiert und wie dieses institutionalisierte Wissen in der Praxis gehandhabt wurde. Sie untersucht sowohl die Akteure und Prozesse der Institutionalisierung als auch die Formen des Wissenstransfers innerhalb, zwischen und jenseits dieser konfuzianischen Privatakademien.
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Vorwort

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Der koreanische Bildungseifer ist ein beliebtes Thema westlicher Medien, und zwar nicht erst seitdem südkoreanische Schüler bei PISA so gut abschneiden. Auch in vielen wissenschaftlichen Arbeiten gilt dieser Bildungseifer als Grundlage des wirtschaftlichen Aufstieg Südkoreas seit den 1970er Jahren. Häufig geht man davon aus, dass die kulturelle Basis dieses Bildungseifers und der wirtschaftlichen Erfolge in Korea aber auch anderen ostasiatischen Ländern im Konfuzianismus liegt. Bei aller Bewunderung für die dynamische wirtschaftliche Entwicklung dieser Region wird jedoch allzu leicht vergessen, dass der Konfuzianismus bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als Ursache und geradezu als Symbol für die bis damals anhaltende Rückständigkeit und Stagnation galt. Auch in Ostasien selbst hat man die konfuzianische Tradition lange als kulturelles Hindernis für die Modernisierung, die es zu überwinden galt, betrachtet. So werden z.B. in Korea die konfuzianischen Privatakademien Sŏwŏn, die seit dem 16. Jahrhundert den Kern der konfuzianischen Wissens- und Bildungskultur bildeten, auch heute noch von vielen Forschern für den Niedergang der letzten koreanischen Dynastie (Chosŏn 1392–1910) verantwortlich gemacht. Dies gilt sowohl für Süd- wie auch für Nordkorea.

Was aber waren diese konfuzianischen Akademien Sŏwŏn im vormodernen Korea wirklich? Warum entstanden sie überhaupt? In welchem Zusammenhang stand ihre Entstehung und Entfaltung mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen? Was waren ihre philosophischen Grundlagen? In welchem Sinne waren sie Akademien? Sind sie als Institution vergleichbar mit europäischen Akademien? Wie gingen sie mit vorhandenen...

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