Show Less
Restricted access

Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

Series:

Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
Show Summary Details
Restricted access

Brief über Adalbert Stifters Nachsommer

Extract



Ich kann, meine liebe Freundin, mir Ihr gütiges und ruhiges Gesicht recht wohl über den Seiten des Buches vorstellen, von dem Ihr letzter Brief fast ausschließlich handelt, ja, ich wüsste eigentlich kaum ein Buch sonst, das so sehr in Ihre Hände gehörte und von Ihnen gelesen sein wollte, wie gerade dieses, und so verwunderte es mich denn auch höchlichst, als Sie mir bei unserer letzten Begegnung im vorigen Jahre erzählten, dass Sie Stifters Nachsommer wohl schon des öfteren rühmen gehört hatten, ihn aber trotzdem selbst noch nicht kannten. Doch Sie holen ja nun nach, was mir damals eine solch unverzeihliche Versäumnis scheinen wollte, und, wie ich glaube oder vielmehr mit einer recht unbedingten Gewissheit den warm schwingenden Worten Ihres schönen Briefes entnehmen darf, holen Sie es so nach, dass Sie sofort einen großen Vorsprung gewinnen und gleich da zu lesen anfangen, wo sich dieses Buch sonst wie in einer seltsam verwehrenden und fast gläsernen Sprödigkeit nur zögernd und dann allerdings auch mit seinen reinsten und reifsten Seiten erschließt. Freilich, eines will mich dabei verwundern und nicht recht begreifen lassen: dass Sie dieses Buch gerade jetzt lesen, zu dieser Jahreszeit, meine ich, wo ich fast jeden Morgen die Bäume meines Gartens bereift finde und in der fast immer neblig verhangenen Landschaft – Sie kennen den Blick von meinem Fenster aus und werden sich wohl erinnern – nur selten einmal genauere Konturen unterscheiden kann. Denn...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.