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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Zu einer Schrift von Paul Valéry

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Das Anliegen zu bezeichnen, welches diese Schrift33 diktiert hat, mag ein Bild dienen, das von Paul Valéry selbst stammt. Es ist das des Hamlet – nicht mehr des Hamlet aus dem shakespeareschen Drama, sondern das eines neuen Hamlet, dessen ehmalige Terrasse sich um ein Ungeahntes verbreitert hat, wobei sich die Friedhofszene in die des heutigen Europa, die Figur des Totengräbers in die der Geschichte, das Requisit des Schädels in ein Symbol der Überlieferung verwandelten. Dieser neue Hamlet nun hält seinen Monolog. Er beginnt mit nahezu den gleichen Worten wie der alte. Er beginnt mit Fragen, die so sehr Frage sind, dass sie nicht einmal mehr einer Antwort zu bedürfen scheinen; er beginnt mit einem Zeitgemälde – wir glauben sagen zu dürfen: von apokalyptischen Ausmaßen. Denn dieser, der neue, der zeitgenössische Hamlet, wo fände er noch einen Fußbreit Sicherheit? Wo fände er eine Stimme, die ihm auf sein täglich ratloseres Wohin Bescheid gäbe? Wo fände er, wenn er die geistige Landkarte seiner Zeit zu Rat zieht, ein wenn auch noch so kleines Stück Bodens, das nicht bereits abzubröckeln begänne, in eigengesetzlich gewordenes Chaos hinein? Er lenkt seinen Blick auf die Vergangenheit; doch er schrickt zurück vor dem gespenstischen Reigen von Völkern und Kulturen, den ihm die auftut. Was er gewahrt, ist dahin und verfallen, ohne dass jedoch das Gesetz solchen Verfalls sichtbar würde. Vergeblich also, auf etwaige Parallelen zu vertrauen;...

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