Show Less
Restricted access

Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

Series:

Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
Show Summary Details
Restricted access

François Villon

Extract



Man hat begonnen, den Dichter mit seiner Biographie zu verwechseln. Nicht umsonst pflegen wir wörtlich zu nehmen, was allein als Metapher zu verstehen erlaubt ist. Wir beschreiben und glauben uns mit solchem Beschreiben eines Stücks Wirklichkeit zu versichern; aber der Dichter ist ein andrer denn die Figur, die von ihm sichtbar wird. Mit der teilt er nur die Zufälle. Nicht zwar, als ob es nicht auch derer bedürfte! Erst sie machen ihn erscheinen; nur: diese Erscheinung ist eine mögliche unter vielen; sie bedeutet; und selbst mit dem Inbegriff ihres Bedeutens kann der Dichter allenfalls gemeint sein. Gemeint und nicht etwa bewiesen! Dazu müssen wir eine verschwiegenere Bühne imaginieren. Eine Bühne, die aufzuschlagen keine Daten hinreichen; eine Bühne, auf der auch das noch Kostüm ist, was im gewöhnlichen Schauspiel schon für Wesen gilt. Eine rein innerliche Bühne; denn es ist ein Aberglaube, dass der Dichter in eine Handlung aufgehe. Sein eigentliches Leben ist unbeschreiblich; zu seiner eigentlichen Gestalt besitzen wir höchstens, was sie ausspart, ein Negativ. Nur für ein solches ist anzusehen, womit uns die Überlieferung zur Hand geht. Sie hat sich seiner zu bemächtigen unternommen; aber sie enthält ihn im Niederschlag von Elementen, deren keins sich als notwendig erweist; sie enthält ihn, so wie irgendwelche Akzidenzien die von ihr beherbergte Substanz enthalten mögen; sie enthält ihn als einen aus ihr erst zu Gewinnenden. Eine Operation freilich, die alsbald...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.