Show Less
Restricted access

Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

Series:

Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
Show Summary Details
Restricted access

Fragment, Aphorismus, Essai

Extract



Ich beginne mit dem Gefühl, das der Anblick einer antiken Vasenscherbe in uns wachruft. Es ist nicht wahr, dass dieses Gefühl ein Gefühl der Trauer sei. Das Gefäß zwar ist dahin; aber noch die Scherbe lässt den Gedanken erkennen, der hier Form wurde, indes der Stoff Form wurde … Es ist eine glatte und ein wenig gewölbte Scherbe; der regellose Rand steht in seltsamem Kontrast zu ihrer Glätte und Wölbung; und eben dieser Kontrast macht sie so ergreifend: während ihre Bruchstellen davon reden, was die Natur ist ohne den Menschen, trägt ihre Fläche das Signum jener zweiten Natur, in die hinein der Mensch, von ihr Besitz ergreifend, die Natur reinigt und verwandelt.

Anders freilich, wo ein Werk als Bruchstück sich präsentiert, nicht weil es zerstört, sondern weil es nicht zu Ende geführt wurde. Ein Teil des Michelangeloschen Werkes zum Beispiel ist uns in diesem Zustande überkommen; neben Stellen, die der Meißel geschrieben hat, stehen solche, in denen der noch unbearbeitete Stein herrscht; und auch hier wieder ist der Gegensatz zwischen erster und zweiter Natur von eigenartigem Reiz. Aber es ist ein Reiz bedrohlicherer Art nunmehr. Wie durch Erstarrung ist das Werk in einem Zwischenzustande festgehalten. Das Ausgeführte wirft ein Licht auf das Unausgeführte; zwischen Vorhaben und Verwirklichung besteht Missverhältnis, das unser Gedanke überbrücken muss, wenn anders er nicht zu einem quälenden werden soll.

Das Fragment...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.