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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Zu einer neuen Stifter-Ausgabe

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Ein Werk der Erzählkunst, das man nur einmal lesen könnte, wäre ein sehr rohes. Auch wäre es kein Kunstwerk; das nämlich kann man wieder und wieder lesen. Ja, man muss es geradenwegs wieder lesen. – Der Inhalt einer guten Erzählung lässt sich nur mit den Worten des Originals erzählen. Das heißt, er lässt sich überhaupt nicht erzählen; eben das ist das Merkmal der guten Erzählung.

Doch wir haben von Stifter zu reden. Nun denn, auch für die stiftersche Erzählung gilt, dass man nicht anders einen Begriff von ihr geben kann, als sie vorlesend. Nur so tut sich jene Welt auf, die man die Stifterwelt genannt hat. Eine Welt, die vom Tonfall lebt wie die Welt jedes Dichters.

Eine Welt, die keine Welt ist, sondern ein so und so verzauberter Leser… Man hat von Stifter als von einem Landschaftsschilderer gesprochen; aber kein Dichter schildert etwas. Er verbindet Worte zu Sätzen, – welchen Sätzen die Tugend eigentümlich, uns in ganz bestimmter Weise zu bewegen. Die Illusion aber, mit jemand eine Landschaft zu durchwandern und an jemandes Schicksal teilzuhaben, entsteht dadurch, dass der Dichter uns an dieses Jemandes Gefühlen und Gedanken teilhaben macht; – dass er in uns dieses Jemandes Gefühle und Gedanken weckt …; sehen nämlich – wie die metaphorische Redeweise lautet – tun wir nichts, wenn wir einen Dichter lesen.

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