Show Less
Restricted access

Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

Series:

Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
Show Summary Details
Restricted access

Richard Wagner 1933

Extract



Richard Wagner starb zweimal: zum ersten Male im Jahre 1883, zum zweiten Male in den Jahren 1914 bis 1918, diesmal nicht im Palazzo Vendramin Venedigs, sondern in den Schützengräben Flanderns. Da gab es keine „Erlösung“ mehr. Siegfried im Feuer der Maschinengewehre, Handgranaten, Flugzeuge und Tanks? Das ging nicht. Da schwand die heldische Geste, da offenbarte sich ihre Hohlheit und Lüge.

Das Jahr 1933 steht im Zeichen Richard Wagners. Allenthalben finden wir Festaufführungen, Gedenkreden und Aufsätze. Weshalb aber liegt eine so merkwürdige Symbolik in dem Zusammentreffen von politischem und geistigem Geschehen? Weshalb liegt eine so merkwürdige Uebereinstimmung darin, dass Wagnerenthusiasmus und neue Regierungsbildung zeitlich fast zusammenfallen? Und haben wir einen Grund, dieses Jahr in das Zeichen Wagners und seiner Musik zu stellen?

Durchschreiten wir eine unserer Großstädte, in denen sich die verschiedensten architektonischen Stile nebeneinander finden. Was sagt uns da noch die Gipsrenaissance des Jugendstils, das Postgebäude mit seinen gotischen Fenstern, die Bank mit ihren griechischen Tempelsäulen? Durchschreiten wir ein Museum. Was sagt uns noch der öde historisierende Akademieschinken eines Piloty? Keinem wohl wird es einfallen, die Fassade eines um 1890 erbauten Durchschnittshauses ein Meisterwerk zu nennen. Aber Wagner wird heute noch als einer der Gipfel deutscher Kunst gepriesen. Welches Missverständnis!

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.