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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Über Ernst Barlach

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„Du darfst alles Deinige, das Äußerste, das Innerste, Gebärde der Frömmigkeit und Ungebärde der Wut, ohne Scheu wagen, denn für alles, heiße es höllisches Paradies oder paradiesische Hölle, gibt es einen Ausdruck“ –: diese Worte Ernst Barlachs, die sich in seiner Autobiographie finden, könnte man als thematisch durchklingendes Leitmotiv seinem gesamten plastischen und graphischen Werke voranstellen, denn in ihnen ist, so wie sich in dem nur aus wenigen Tönen bestehenden melodischen Thema eine ganze Fuge verbirgt, der Grund und Urgrund seines Schaffens und darüber hinaus eine ganze künstlerische Weltanschauung enthalten. Ein Artistenevangelium, das um das Gegensatzerlösende der Form weiß, ein fanatischer Gestaltungswille, der nichts aus seinem Bereich ausschließt, ein seltsames Jenseits von Gut und Böse, Schön und Hässlich –: all das spiegelt sich in diesen wenigen Worten wider. Vor allem aber geben sie, gleichviel ob bewusst oder unbewusst, das Gleichnis für Barlachs Gestalten, die alle über ihre durchaus plastische Geschlossenheit hinaus irgendwie transparent sind: Gebärden gleichsam, in die sich ein inneres Gesicht entlud, Gebärden, in denen sich ein Unsagbares oder doch nur schreiend oder stammelnd Sagbares die Form erfand, Gebärden aus Holz, in die sich wie in eine Musik ein Gefühl ergoss, eine Angst oder eine Sehnsucht, ein Fluch oder ein Gebet. Denn ist es nicht, als habe sich in ihnen das Sehen, müde geworden, immer nur die Dinge der äußeren Welt auf seiner Netzhaut zu...

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