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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Meister Eckhart oder die Unaufhörlichkeit

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Meister Eckhart, einer der gewaltigsten Prediger wohl deutscher Zunge, Prediger, der wie kaum ein Zweiter das ganze Orgelregister der Kanzelrede beherrscht, beherrscht von den mächtigen Grundnoten des Basses bis zum umspielenden und ausschmückenden Figurwerk des Diskants, das in immer neuen Bildern und Variationen die dunkle Fülle des pfeilerhaften Grundthemas zu erschöpfen trachtet – Meister Eckhart lebte um die Wende des dreizehnten Jahrhunderts, in jener Zeit also, da in Paris, Straßburg und Köln, Städte, in denen er gleichermaßen gewirkt hat, die ersten gotischen Pfeiler sich aufstoßen, der erste Versuch unternommen wird, die Ewigkeit, die bisher als ungeheures und kaum erträgliches Gewicht auf der dumpfen Rundung der romanischen Tonnengewölbe lastete, dem weiten Innenraume der neuen Kathedrale einzubeziehen, einzubeziehen jetzt als ein durchaus Diesseitiges, das in gewaltiger Synthese die Kluft zwischen Figur und Goldhintergrund überbrückt und sich hinwölbt über alles und jedes, durchscheinend ebenso in den verklärten Gesichtern der steinernen Engel wie in den verzerrten Fratzen der Wasserspeier, die als Kontrapunkte gleichsam das Gewand des polyphonen Baues säumen, auch sie noch eine Variation des Grundthemas, Himmel und Hölle zusammengebogen jetzt in eine Melodie. Polyphonie also, Polyphonie im Sinne der schwebenden Weitbogigkeit mittelalterlicher Motetten, Polyphonie im Sinne eines in tausend und abertausend Einzelstimmen prismatisch zerstreuten großen Chorales, Polyphonie aber vor allem als die ungeheure innere Gespanntheit der ganzen Sehnsucht auf ein chimärisches Ziel, Ziel, in dem die Kontrapunkte, Parallelen gleichsam mit der steten Jagd nach...

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