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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Schicksal, Sendung, Ewigkeit

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Goethe nennt einmal die Geschichte der Wissenschaften eine große Fuge, in der die Stimmen der Völker nach und nach zum Vorklang kämen – ein Gedanke, den man ganz allgemein dahin erweitern könnte dass Geschichte überhaupt einer Fuge zu vergleichen sei, oder besser noch auch das Bild der Fuge jetzt übersteigert in ein umfassenderes und weiteres Gleichnis, einer großen polyphonen Musik, im Sinne etwa der Niederländer oder der Italiener um Palästrina. Denn ebenso wie ein Mensch Schicksal hat, Schicksal im Sinne des sokratischen Dämonion als Macht von tief innen her, ebenso ist einem Volk ein ganz bestimmtes Lebensthema aufgegeben, das es dann, Schicksal mit eben den Vorzeichen jedes Schicksals, als weit sich hinspinnende Stimme im großen chorischen Zusammenklang der Völker durchzuführen hat. Thema also zuerst und dann seine Abwandlung durch alle Höhen und Tiefen, unerbittlich sich hinziehend durch das vielstimmige Bändergeflecht einer Unzahl von Kontrapunkten – das wäre das Bild, das den Gang eines Volkes durch die Geschichte umrisse, umrisse dabei gleichsam als großen Atembogen, der immer stärker in seinem Hinströmen sein Gesetz zum Ausdruck bringt, um endlich pausierende Stimme jetzt mit dem Pausenmaß vielleicht eines Jahrtausends, zu verstummen: erfüllt das ihm aufgegebene Schicksal ins Geschehen verwandelt sein innerer Sinn.

Freilich muss sofort wieder, da dies ausgesprochen ist, das eben angedeutete Gleichnis erweitert werden, erweitert nämlich dahin, dass bereits die Geschichte eines einzelnen Volkes polyphon sei, polyphon und dazu voller...

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