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Albrecht Fabri – Frühe Schriften

Essays und Rezensionen aus der Zeit des Dritten Reichs

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Edited By Jürgen Egyptien

Albrecht Fabri (1911–1998) zählt zu den brillantesten Essayisten der Nachkriegszeit. Mit seinem radikalen Ästhetizismus provozierte er alle, die in Kunst oder Literatur ein Medium zur Unterhaltung oder zum gesellschaftlichen Engagement erblickten. Fast unbekannt sind bis heute seine frühen Essays und Rezensionen, die zwischen 1933 und 1940 im Dritten Reich erschienen. Sie zeigen neue Facetten seines Schreibens und lassen auf spannende Weise verfolgen, wie sich Fabris individueller Stil und wesentliche Motive seines ästhetischen Denkens herausbildeten. Eine Personalbibliographie sowie eine umfassende Einführung in Leben und Werk des Essayisten umrahmen die Textedition.
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Apollodor oder die Sprache und das Unaussprechliche

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Apollodor: Erinnerst du dich noch der Verse, die ich dir gestern vorlas, jene Verse, die mit so geradezu abgründigem Wissen vom Baum sprachen und von der Frucht, in der der Baum dann spiegelnd sich begreift?

Kriton: Eben noch habe ich über sie nachgedacht und habe wieder versucht, mir Rechenschaft zu geben über den so ausweglos bezwingenden Strom polyphon erinnernder und begreifender Resonanzen, die sie in mir heraufriefen. Aber Rechenschaft vor einem solchen Gefüge erratischer Blöcke, deren jeder wie aus Urtiefen heraufgeschleust scheint, jeder gleichsam herausgesprengt aus dem Steinbruch der Ewigkeit und aus seinen verschwiegensten Stellen noch dazu? Einzig als Rechenschaft, die das Geheimnis der Sprache zu ergründen unternähme, scheint mir, wäre sie möglich, als Rechenschaft gleichsam, die zurückginge bis in ein dunkelstes Wurzelgeflecht, zurückginge also bis zu jenem Punkte, von dem der Dichter, hinabfliehend er doch stets von neuem den Weg des Orpheus zu den Ursprüngen, seinen Ausgang nimmt. Aber ist ein solcher Versuch, Inversion gleichsam gegen alle Masken auf ein zeitloses Gesicht hin, ist ein solcher Versuch überhaupt unternehmbar, unternehmbar, meine ich, bewusst und anders denn schöpferisch?

Apollodor: Es ist die Frage nach dem Geheimnis überhaupt, die du stellst, Frage also recht eigentlich, die sich von selbst beantwortet und im verneinenden Sinne. Denn ein Geheimnis – einzig da ist es wirklich Geheimnis, wo es zeitlos ist, wo es Ewigkeit hat, wo es eine Unaufhebbarkeit darstellt. Aber dennoch ließe sich der Versuch unternehmen,...

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