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Studien zur österreichischen Literatur: Von Nestroy bis Ransmayr

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Gabriella Rovagnati

Der Band bietet Studien zu repräsentativen Autoren aus 150 Jahren österreichischer Literaturgeschichte. Er beginnt mit Beiträgen zu Theaterstücken des 1801 in Wien geborenen Dramatikers Johann Nestroy und behandelt u.a. spezifische Probleme der Übertragung der Volksstücke des Österreichers ins Italienische. Enthalten sind auch Studien zu Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Stefan Zweig, Franz Werfel, Elias Canetti, Thomas Bernhard, Franz Innerhofer bis hin zu den frühen Prosawerken Christoph Ransmayrs. Alle Aufsätze sind komparatistisch angelegt und thematisieren unter anderem die Rezeption der behandelten Schriftsteller in Italien. Der Band erörtert darüber hinaus Fragen der Theatergeschichte und enthält unveröffentlichtes Quellenmaterial.
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Johann Nestroy: ein Künstler der Hyperbel

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Das wahre Genie kennt keine Schranken

(Johann Nestroy: Der Schützling, II, 7–8)

Alles, was Johann Nepomuk Nestroy war und trieb, stand im Zeichen der Übertreibung. So waren manchmal übertrieben lang schon die Titel seiner Stücke, die nach der Tradition der Komödie meist zweigliedrige Alternativtitel sind. Eines der ersten Werke Nestroys, von dem nur der Titel bekannt ist, hieß z. B.: Der Einsylbige oder Ein dummer Diener seines Herrn.1 Als Nestroy 1829 diese Posse verfaßte, war er als Schauspieler schon bekannt, hatte sich aber als Stückeschreiber noch nicht durchgesetzt. Der Titel der eben genannten Komödie läßt vermuten, daß es sich um eine Parodie handelte, denn im zweiten Teil klingt ein Echo der fünfaktigen Tragödie Franz Grillparzers Ein treuer Diener seines Herrn an. Grillparzer, ein sehr konservativer Mensch und Autor, hing treu am Habsburger Herrscherhaus und stellte damals in Wien den Gegenpol zu Nestroy dar. Grillparzer pflegte die klassische Tradition und ehrte seine Heimat und deren Geschichte; Überlieferung und Patriotismus waren hingegen für Nestroy nur Anlaß zu Spott und Hohn.2

Diese unbändige Respektlosigkeit Nestroys schimmert oft schon durch die Titel seiner Stücke durch, die manchmal so lang sind, daß man sie schwer behalten kann. Geradezu überdimensional ist der Titel folgender Posse in drei Akten, die 1834 uraufgeführt wurde: Der Zauberer Sulphurelectrimagneticophosphoratus und die Fee Walpurgiblockbergiseptemtrionalis oder Die Abenteuer in der Sclaverey oder Asiatische Strafe für europäische Vergehen oder...

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