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Die Ukraine – Grenzland oder Brücke?

Reflexionen zum aktuellen Konflikt

Reinhard Hildebrandt

Dieses Buch behandelt die Stellung der Ukraine im Konflikt um Aufrechterhaltung guter wirtschaftlicher und politischer Beziehungen der Ukraine zu Russland einerseits und ihrem Wunsch nach Zugehörigkeit zur Europäischen Union andererseits. In dieser Sache prallen die Strategie zur Erweiterung der EU und das Sicherheitsbedürfnis Russlands aufeinander. Diese rivalisierenden Mächte zerreißen die in ihren Sympathien gespaltene ukrainische Bevölkerung. Als traditionelles Grenzland wäre für die Ukraine die Brückenfunktion zwischen Russland und der EU jedoch angemessen. Es droht schließlich der Verlust der Unabhängigkeit, wenn der Konflikt auf absehbare Zeit zu keinem friedlichen Ende führt. Der Autor folgert, dass dessen Fortdauer auch das Verhältnis zwischen Europäischer Union und Russland entfremdet und ein Wiederaufleben des Ost-West-Konflikts nicht mehr ausgeschlossen ist.
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IV. Die neue Weltordnung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts – Aus der Sicht der USA und der EU

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IV.  Die neue Weltordnung nach dem Ende des Ost-West-Konflikts – Aus der Sicht der USA und der EU

1.  Das Leitbild der „postmodernen Welt“ (Jean-Marie Guéhenno)

Jean-Marie Guéhenno bezeichnete die EU explizit als Teil der „postmodernen Welt“, in der „Rechtsstaatlichkeit“ und „organisierte wechselseitige Abhängigkeit und Bündelung von Souveränität“ vorherrschen (Guéhenno, Die Zeit, 8.5. 2014). Der Begriff „Postmoderne“ geht zurück auf Jean-François Lyotard. Er verstand darunter kein Plädoyer für Chaos und Beliebigkeit, sondern die organisierte stetige Erneuerung der durch reale Vielfältigkeit und selbstbestimmte Individuen definierten Gesellschaft. Seiner „postmodernen Welt“ stellte Jean-Marie Guéhenno das Modell schierer Machtausübung gegenüber, in dem die Fähigkeit, seine Nachbarn einzuschüchtern, dominiert (ebd.). Zu den Anhängern dieses Modells zählte er vor allem das Russland Putins und die meisten asiatischen Länder. Den „Limes“ bzw. die Grauzone zwischen den Staaten dieser unterschiedlichen Modelle bildeten seiner Ansicht nach die Russland im Westen vorgelagerten Staaten, unter denen er vor allem die Ukraine hervorhob.

Die Europäer hätten eine ganz besondere Verantwortung, meinte Guéhenno, „auf die Bedrohung durch rohe Gewalt zu reagieren“ (ebd.). Denn sollte sich die Weltsicht Putins durchsetzen, bliebe Europa und den USA „keine andere Wahl, als ihre Entschlossenheit und ihre Verpflichtung auf eine Weltordnung zu demonstrieren, in der eben nicht Macht Recht schafft.“ (ebd.). Die russische Führung müsste durch die Europäer und die USA „zu der Einsicht gebracht werden, dass...

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