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Die deutsche Besatzung in Lyon im Blick der Täterforschung

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Elisabeth Meier

Die Autorin rekonstruiert anhand zahlreicher deutscher und französischer Quellen und der Methoden der Täterforschung den komplexen Unterdrückungsapparat während des Zweiten Weltkriegs in Lyon und beleuchtet jenseits des Mythos einer allmächtigen Gestapo die Frage nach den Tätern. Lyon nimmt als «Hauptstadt des Widerstands» eine zentrale Rolle im französischen Kollektivgedächtnis ein. Erinnerung wie Forschung sind dabei eng mit der Person Klaus Barbies verbunden, der durch seine Tätigkeit als Gestapo-Chef von Lyon und seinen Prozess 1987 zum Hauptsymbol der NS-Verbrechen in Frankreich wurde. Dieser einseitige Fokus ließ die Rolle weiterer Sipo-SD-Mitglieder und erst recht der militärischen Besatzer völlig in den Hintergrund treten. Beispielhaft dafür steht Werner Knab, Oberhaupt der Lyoner Sipo-SD.
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Schlussfolgerung

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Die Untersuchung der Besatzung von Lyon anhand von deutschen Quellen der militärischen und polizeilichen Dienststellen nach dem Ansatz der deutschen und französischen Geschichtsschreibung der zwei letzten Jahrzehnte ermöglicht es, den deutschen Unterdrückungsapparat in Lyon zu beleuchten. Die Quellenlage zeichnet sich jedoch durch die ungleichmäßige Verteilung der verschiedenen Bestände aus. Ein Großteil der Sipo-SD-Quellen wurde zerstört, doch Informationen zu den Besatzungsverhältnissen in Lyon, den Widerstandsaktivitäten und ihren Einfluss auf die Besatzungsorgane können indirekt durch militärische Quellen aufgezeigt werden. Die Schlussberichte des Kommandanten des Heeresgebiets Südfrankreich tragen schon den Samen der Verteidigungsstrategie der Wehrmacht in den Nachkriegsprozessen in sich – die Rechtfertigung der verwendeten Methoden und die Anprangerung der repressiven Maßnahmen der Sipo-SD. Sie zeugen auch vom Klima der Angst, das in den deutschen Dienststellen in den letzten Monaten der Besatzung herrschte. Die Widerstandsbewegungen schienen allgegenwärtig und allmächtig, jeder Franzose ein potentieller „Terrorist“.

Die zentrale Frage des Einflusses der nationalsozialistischen Weltanschauung auf die Repressions- und Verfolgungsmaßnahmen spaltet die Geschichtsschreibung. Lyon, Sitz der deutschen Dienststellen in der Südzone, war auch eine Hochburg des Widerstands. Zudem erklären noch weitere Faktoren die Gewaltsteigerung der Besatzungspolitik. Schon der zeitliche Rahmen der Besatzung Lyons, von November 1942 bis September 1944, beeinflusste die Repressionspolitik der Lyoner Sipo-SD. Im November 1942 war nämlich sowohl der Höhe- als auch der Wendepunkt der deutsch-französischen Zusammenarbeit in Sicherheitsangelegenheiten erreicht. Die Jahre 1943 und 1944 waren vom Erstarken...

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