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Dr. Mabuse und seine Zeit

Eine deutsche Chronologie

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Sven Safarow

Die Kunstfigur Dr. Mabuse war immer schon ein vortreffliches Spiegelbild soziopolitischer Entwicklungen. In diesem Essay werden Ursprung und Figurenkonzeption von Norbert Jacques’ literarischer Schöpfung intensiv untersucht. Was in der Vorlage nur angedeutet war, wird in der filmischen Interpretation Fritz Langs offenbar: Dr. Mabuse bildet eine sukzessive Metapher für die historischen Umbrüche innerhalb der deutschen Geschichte seit Ende des Ersten Weltkriegs.
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Die dunklen Mechanismen der Macht

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Auch Siegfried Kracauer scheint von der Spiegelung von Staat und Unterwelt, die Lang vornimmt, überzeugt zu sein. In Von Caligari zu Hitler bezeichnet er Wenk als „eine Art legale[n] Gangster mit der Polizei als seiner Bande.“154 Kracauer sieht ihn als moralisch unbeteiligt an: er tut seine Pflicht, aber er bleibt blass, weswegen „sein Triumph zur Bedeutungslosigkeit herabsinkt.“155 Doch auch das ist Teil von Mabuses Figurenkonzeption. Hätte er einen ebenbürtigen Gegner, der ebenfalls durch eine einnehmende Persönlichkeit glänzte, würde die Faszination, die man für Mabuse empfindet, gleichmäßiger verteilt werden. Der Schwerpunkt würde auf ein Duell zweier gleichstarker Kontrahenten verlagert werden, was Langs Intentionen verwässert hätte. Kracauer verweist hier also auf einen Nebeneffekt dieser Figurenkonzeption. Tatsächlich erscheint Wenk in Jacques’ Roman viel engagierter und moralisch motivierter als im Film.

Da Siegfried Kracauer nicht erwähnt, ob er die Romanvorlage gelesen hat, muss angenommen werden, dass seine Bewertung der Mabuse-Figur ausschließlich auf Langs Film basiert.

Kracauer stellt Mabuse in eine Reihe mit sogenannten Tyrannenfiguren des deutschen Films, wozu er unter anderem Dr. Caligari und Nosferatu zählt. Vor allem stellt er jedoch Mabuse als einen Vorläufer Hitlers dar, wofür ihm hauptsächlich Langs zweiter Mabuse-Film Indizien liefert, dessen Erscheinen 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten symbolisch zusammenfiel.

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