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Minderheiten im sozialistischen Jugoslawien

Brüderlichkeit und Eigenheit

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Kateřina Králová, Jiří Kocian and Kamil Pikal

Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Politik des jugoslawischen Staates gegenüber seinen 15 wichtigsten, offiziell anerkannten, ethnischen Minderheiten. Das bunte ethnische Mosaik, welches Jugoslawien im 20. Jahrhundert gekennzeichnet hat, weckte seit jeher das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaft. Mit ihm ging stets die Frage einher, ob und wie ein Staat mit derartigen Voraussetzungen funktionierend und effektiv gestaltet werden könne. Die Autorinnen und Autoren werfen in ihren Fallstudien dabei eine Reihe von Themenfeldern auf, welche die Relevanz der behandelten Minderheitensituation nicht nur für das Verständnis der Geschichte des sozialistischen Jugoslawien, sondern auch von multiethnischen Staaten insgesamt verdeutlichen.
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Juden

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Die ersten materiellen Spuren, die von einer jüdischen Besiedlung im hier behandelten Gebiet zeugen, sind bereits rund 2000 Jahren alt. Zu Beginn des Mittelalters ließen sich Juden, die aus den größeren Handelszentren des Balkans – vor allem aus Griechenland und Bulgarien – kamen, dann in größeren Zahlen auf dem Gebiet des späteren Jugoslawiens nieder.1 Diese griechischsprachigen Juden, die Romanioten genannt werden und von denen bis heute noch einige wenige in bestimmten Teilen Griechenlands und in der Diaspora leben, spielten in den südslawischen Ländern eine relativ untergeordnete Rolle. Sie gingen allmählich in der Gruppe der übrigen Juden auf dem Balkan und an die „neuen“ jüdischen Zuwanderer auf.2 In der Region waren des Weiteren bis zum Zweiten Weltkrieg Sephardim und Aschkenasim ansässig. Beide Gruppen unterschieden sich sowohl in kulturellen und religiösen Traditionen als auch in sprachlicher Hinsicht. Während die sephardischen Juden Ladino sprachen, nutzten die aschkenasischen Juden meist Jiddisch. Nach und nach übernahm die Mehrheit von ihnen aber die Sprache der Mehrheitsbevölkerung der Region, also Deutsch und Ungarisch, und später Serbokroatisch. Beide jüdische Gruppen hatten indes dieselbe soziale und wirtschaftliche Stellung inne. Ihre Angehörigen verdienten ihren Lebensunterhalt vor allem als kleine Markthändler und bildeten fast ausschließlich eine urbane Minderheit, die sich vor allem in den wichtigsten Städten und Handelszentren der Region konzentrierte. Obwohl es sich im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung um eine kleine Gruppe handelte, bildete sie bis zum Zweiten Weltkrieg auch...

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