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Minderheiten im sozialistischen Jugoslawien

Brüderlichkeit und Eigenheit

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Edited By Kateřina Králová, Jiří Kocian and Kamil Pikal

Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Politik des jugoslawischen Staates gegenüber seinen 15 wichtigsten, offiziell anerkannten, ethnischen Minderheiten. Das bunte ethnische Mosaik, welches Jugoslawien im 20. Jahrhundert gekennzeichnet hat, weckte seit jeher das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaft. Mit ihm ging stets die Frage einher, ob und wie ein Staat mit derartigen Voraussetzungen funktionierend und effektiv gestaltet werden könne. Die Autorinnen und Autoren werfen in ihren Fallstudien dabei eine Reihe von Themenfeldern auf, welche die Relevanz der behandelten Minderheitensituation nicht nur für das Verständnis der Geschichte des sozialistischen Jugoslawien, sondern auch von multiethnischen Staaten insgesamt verdeutlichen.
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Türken

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Auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens leben seit osmanischen Zeiten sogenannte westrumelische Türken (Batı Rumeli Türkleri).1 Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte sich ihre Besiedlung vor allem auf Mazedonien und das Kosovo, wobei sie in Mazedonien nach den Albanern die zweitgrößte Minderheit bildeten, während sie im Kosovo eine eher marginale Gruppe darstellten, die nur in der Umgebung von Prizren eine gewisse Bedeutung hatte. Ein wichtiges Merkmal für diese Minderheit war nicht nur während des sozialistischen Jugoslawiens, sondern auch im südslawischen Königreich in der Zwischenkriegszeit eine langsame aber kontinuierliche Abwanderung in die Türkei und weitere Länder. Während einige andere Minderheiten, zum Beispiel die Albaner, in der gleichen Zeit einen exponentiellen Zuwachs erfuhren, sank die Zahl der türkischen Minderheit in der hier betrachteten Zeitspanne auf etwa die Hälfte, obwohl sie keinem starken Assimilationsdruck ausgesetzt war.

Es scheint, als ob es vor allem sozioökonomische Gründe waren, die zum fortschreitenden Rückgang an Angehörigen der türkischen Minderheit führten. Im Verlauf des gesellschaftlichen Wandels auf dem westlichen Balkan und nach dem endgültigen Niedergang der osmanischen Herrschaft, verloren die Türken dort meist ihre Einkommensmöglichkeiten und ihren privilegierten Status. Ein Teil von ihnen versuchte, mit mehr oder weniger Erfolg, sich den neuen Bedingungen anzupassen. Andere wählten den Weg ins Ausland, was das Tito-Regime im Gegensatz zu anderen sozialistischen Staaten nicht sonderlich behinderte und in gewissen Phasen sogar gezielt unterstützte. ← 303...

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