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Minderheiten im sozialistischen Jugoslawien

Brüderlichkeit und Eigenheit

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Kateřina Králová, Jiří Kocian and Kamil Pikal

Dieses Buch bietet einen umfassenden Einblick in die Politik des jugoslawischen Staates gegenüber seinen 15 wichtigsten, offiziell anerkannten, ethnischen Minderheiten. Das bunte ethnische Mosaik, welches Jugoslawien im 20. Jahrhundert gekennzeichnet hat, weckte seit jeher das Interesse der Geistes- und Sozialwissenschaft. Mit ihm ging stets die Frage einher, ob und wie ein Staat mit derartigen Voraussetzungen funktionierend und effektiv gestaltet werden könne. Die Autorinnen und Autoren werfen in ihren Fallstudien dabei eine Reihe von Themenfeldern auf, welche die Relevanz der behandelten Minderheitensituation nicht nur für das Verständnis der Geschichte des sozialistischen Jugoslawien, sondern auch von multiethnischen Staaten insgesamt verdeutlichen.
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Deutsche

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Nach dem Ersten Weltkrieg bildeten die Deutschsprachigen im neu geformten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen eine wichtige nationale Minderheit. Aufgrund unterschiedlicher historischer Herkunft, sprachlicher Unterschiede sowie ihrer weiten Streuung über den westlichen Balkan stellten sie insgesamt allerdings eine wenig homogene Gruppe dar. Erst kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges gelangte die deutsche Minderheit zu einer einheitlichen politischen Repräsentation. Das Entstehen des Königreichs SHS war dabei das wohl wichtigste Ereignis, welches die Koordinierung der bis 1918 zumeist getrennt voneinander lebenden Gruppen und deren Zusammenführung in einer gemeinsamen politischen Plattform ermöglichen sollte.

Ab 1933 wurden kompakte deutsche Siedlungsgebiete (sogenannte Sprachinseln)1 eines der Ziele der deutschen Außenpolitik und zugleich, wie sich später zeigte, für den nationalsozialistischen Staat ein willkommenes Argument zur Expansion. Die verwandte Debatte über die Sudetendeutschen zeigt aber deutlich, wie stark vereinfachend es wäre, den über Mittel- und Osteuropa sowie über den Balkan verteilten deutschen Minderheiten eine Kollektivschuld im Sinne einer „fünften Kolonne Hitlers“ zuzuschreiben. Auch in Jugoslawien bestanden Gruppen und Organisationen, die sich gegen die Politik und Ideologie des NS-Staates wandten. Wie anderswo in Osteuropa hatte dies nach dem Zweiten Weltkrieg aber keinen Einfluss auf die Politik gegenüber der deutschen Minderheit. Flucht, Vertreibung und Aussiedlung führten schließlich dazu, dass sich die deutsche Minderheit nach 1945 praktisch kaum noch in jugoslawischen Meistererzählungen wiederfand. Zwar ist die Zahl der Deutschen in der Region heute verschwindend gering, dennoch ist diese Bevölkerungsgruppe wieder...

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