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Zwischen Korallenriff und Stacheldraht

Interniert auf Rottnest Island, 1914–1915

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Alexandra Ludewig

Das Buch illustriert anhand zahlreicher Fotos das Leben im Internierungslager auf Rottnest Island (Australien). Dort wurden im Ersten Weltkrieg neben zivilen feindlichen Ausländern aus Deutschland und Österreich-Ungarn auch indigene Strafgefangene von australischen Soldaten und Wachen festgehalten. Dennoch kam es zu seltenen Momenten der Verbrüderung über nationale und ethnische Grenzen hinweg. Die Koexistenz von Männern unterschiedlichster Herkunft und Sozialisation, die oft nicht einmal eine gemeinsame Sprache hatten und doch mitten im Ersten Weltkrieg eine friedliche Gemeinschaft pflegten, mag im Rückblick auf die Geschichte als Inspiration dienen.
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1. Einleitung

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Die Geschichtsschreibung über den Ersten Weltkrieg wird mehr als ein Jahrhundert nach seinem Ausbruch immer noch vorwiegend als nationales Projekt betrieben.2 Auch wenn Christopher Clark mit seiner Analyse der tragödienhaften Komplexität dem Wettstreit der Schuldzuweisungen ein Ende bereitet haben mag,3 so ist die Perspektive der meisten Publikationen notwendigerweise von Auslassungen geprägt und damit tendenziös und zumeist auf die eigene Lage oder Nation fixiert. Die Zahl und Identität der Opfer stehen dabei vielfach im Vordergrund, denn der Erste Weltkrieg war in jeder Hinsicht ein Großer Krieg, der in der angelsächsischen Welt („The Great War“), aber auch von den Franzosen und in den Benelux-Staaten so genannt wurde („La Grande Guerre“ bzw. „De Groote Oorlog“).

Der Krieg verdient seine beiden Bezeichnungen „Erster Weltkrieg“ und „Der große Krieg“: Als erster wirklich weltumspannender Konflikt zeigt er uns, „wie globalisiert die Welt und das internationale Mächtesystem schon 1914 waren.“4 „Groß“ war er auch im Sinne der internationalen Opferzahlen und dem damit verbundenen Mythenfundus. Der Erste Weltkrieg fungierte für einige Nationen als Gründungsmythos, d. h. als Geburtsstunde neuer Nationen und Legitimationsmythos bestehender. Für andere Nationen und Regionen war er die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“5 und für ihren Untergang verantwortlich, wobei sowohl die menschlichen als auch finanziellen Opfer zu bedenken sind. Oliver Janz formulierte treffend: „Mit dem Ersten Weltkrieg, der den Aufstieg der USA endgültig machte und den der UdSSR einleitete, endete nicht nur die politische, ← 11...

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