Show Less
Restricted access

Zwischen Korallenriff und Stacheldraht

Interniert auf Rottnest Island, 1914–1915

Series:

Alexandra Ludewig

Das Buch illustriert anhand zahlreicher Fotos das Leben im Internierungslager auf Rottnest Island (Australien). Dort wurden im Ersten Weltkrieg neben zivilen feindlichen Ausländern aus Deutschland und Österreich-Ungarn auch indigene Strafgefangene von australischen Soldaten und Wachen festgehalten. Dennoch kam es zu seltenen Momenten der Verbrüderung über nationale und ethnische Grenzen hinweg. Die Koexistenz von Männern unterschiedlichster Herkunft und Sozialisation, die oft nicht einmal eine gemeinsame Sprache hatten und doch mitten im Ersten Weltkrieg eine friedliche Gemeinschaft pflegten, mag im Rückblick auf die Geschichte als Inspiration dienen.
Show Summary Details
Restricted access

8. Die Schließung des Lagers

Extract



Zur Aufregung um das nächtliche Feuer auf der Insel kamen Gerüchte hinzu, dass das Lager auf Rottnest aufgelöst werden sollte. Vieles sprach dafür. Einige Bewohner auf dem Festland von Westaustralien waren zunehmend ungehaltener ob der Gerüchte, die Internierten würden zu sehr verwöhnt. Deshalb hatten seit Juni 1915 Mitglieder der Bürgerwehr All-British Association immer wieder versucht, die Insel zu besuchen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass die enemy aliens in Australien kein besseres Los hätten als australische Kriegsgefangene in anderen Nationen. Derartige „visits of curiosity“ und weitere unauthorisierte Aufklärungsmissionen sollten unterbunden werden.491

Auch die Presse machte weiterhin Stimmung gegen die Internierten auf Rottnest. The West Australian veröffentlichte am 27. Oktober 1915 einen Beitrag, in dem behauptet wurde, die Spätankömmlinge unter den Internierten hätten sich geweigert, ihre eigenen Unterkünfte zu errichten. Als ähnliche Vorwürfe auch in den Daily News vom 27. und 28. Oktober 1915 erschienen, sah sich die Lagerleitung zu einer Stellungnahme gezwungen, wenn auch nur intern: Die Vorwürfe seien „unwichtig“ („not of importance“) in Anbetracht der wahren Probleme und da man – streng vertraulich – die Verlegung der Internierten vorantreibe, sei von jeglichen Pressemitteilungen abzusehen. Die Losung an alle Wachhabenden lautete: „not to discuss it with the reporters.“492 Dass unzufriedene Wachmänner bei ihrem Land- und Freigang potentiell Dampf abließen und indiskret über Lagerinterna plauderten, sei jedoch nicht unwahrscheinlich: „Guards have always been coming and going“.493

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.