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Russische Kinderliteratur im europäischen Exil der Zwischenkriegszeit

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Nadia Preindl

Als Folge der Oktoberrevolution und der dadurch bewirkten Emigration zahlreicher russischer Intellektueller entwickelte sich in den Zufluchtsländern während der 1920er- und 1930er-Jahre eine erhebliche Produktion an Kinderliteratur. Als Ergebnis extensiver Quellenarbeit in europäischen und amerikanischen Archiven machen die Studien bewusst, welchen Beitrag die russischen Emigranten trotz schwierigster Lebensbedingungen im Bereich des Genres Kinderbuch leisteten. In der Rekonstruktion theoretischer Diskussionen sowie literarischer Thematisierungen von Flucht, Aufwachsen in der Fremde, Erinnerung und Identität zeichnet die Autorin die Spannungsfelder zwischen den Sprachen und Kulturen sowie Traditionsbewahrung und Assimilierung nach. Neben überraschenden Erkenntnissen liefert das Buch durch die systematisierende Zusammenführung von vergessener Literatur einen Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte Russlands sowie Europas.
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Michail Osorgin: „Vyše ličnych otnošenij“

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1878 in Perm geboren, absolvierte der aus einem Moskauer Adelsgeschlecht abstammende Autor und Publizist Michail Andreevič Osorgin (eigtl. Il’in) 1902 das Studium der Rechtswissenschaften an der Moskauer Universität. Nach kurzzeitigen juristischen Tätigkeiten wurde Osorgin als Mitglied der Partei der Sozialrevolutionäre 1905 erstmals verhaftet und lebte zwischen 1907 bis 1916 im italienischen Exil. Bis zu seiner Rückkehr nach Russland war er in Italien als Auslandskorrespondent für die Zeitungen Vestnik Evropy sowie Russkie Vedomosti tätig und fertigte Übersetzungen aus dem Italienischen an.375 In Zeiten des Niedergangs der Literaturproduktion infolge der Oktoberrevolution beteiligte sich Osorgin nach erneuter Ankunft in Russland an der Organisation des „Allrussischen Journalisten- und Schriftstellerverbandes“ und gehörte ab ← 147 | 148 → 1918 zu den Leitern des Moskauer „Buchladens der Schriftsteller“. Da Osorgin im Bürgerkriegsrussland offen gegen die Bolschewiken auftrat, wurde er 1921 abermals verhaftet und nach Kazan’ verbannt. Im Zuge der Ausschiffung mit dem „Philosophenschiff“ kam er 1922 nach Berlin, wo er sich dem Berliner „Verband russischer Schriftsteller und Journalisten“ anschloss und für die Gründung des Berliner Schriftstellerklubs mitverantwortlich zeichnete.376 Der Exilaufenthalt in Berlin war nur von kurzer Dauer; unter Beibehaltung seines sowjetischen Passes bis 1937 ließ sich Osorgin ab 1923 in Frankreich nieder und nahm in Paris die journalistische Mitarbeit an den Exilperiodika Dni, Poslednie Novosti und Sovremennye Zapiski auf. Um der jungen Schriftstellergeneration in der Emigration eine Publikationsmöglichkeit zu bieten engagierte er sich innerhalb des Exil-Verlags „Novye pisateli“ (1929–1930) mit der Herausgabe einer gleichnamigen Reihe,...

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