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Russische Kinderliteratur im europäischen Exil der Zwischenkriegszeit

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Nadia Preindl

Als Folge der Oktoberrevolution und der dadurch bewirkten Emigration zahlreicher russischer Intellektueller entwickelte sich in den Zufluchtsländern während der 1920er- und 1930er-Jahre eine erhebliche Produktion an Kinderliteratur. Als Ergebnis extensiver Quellenarbeit in europäischen und amerikanischen Archiven machen die Studien bewusst, welchen Beitrag die russischen Emigranten trotz schwierigster Lebensbedingungen im Bereich des Genres Kinderbuch leisteten. In der Rekonstruktion theoretischer Diskussionen sowie literarischer Thematisierungen von Flucht, Aufwachsen in der Fremde, Erinnerung und Identität zeichnet die Autorin die Spannungsfelder zwischen den Sprachen und Kulturen sowie Traditionsbewahrung und Assimilierung nach. Neben überraschenden Erkenntnissen liefert das Buch durch die systematisierende Zusammenführung von vergessener Literatur einen Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte Russlands sowie Europas.
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Zusammenfassung / Резюме / Summary

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Deutsche Zusammenfassung

Die Machtergreifung der Bolschewiken durch die Oktoberrevolution von 1917 und die damit einhergehende Exilierung unterschiedlicher Gesellschaftsschichten zog einen folgenschweren Umbruch in der russischen Geschichte nach sich. Signifikantes Strukturmerkmal der Emigration aus dem zerfallenden russischen Zarenreich bildete das Vorhandensein einer beträchtlichen Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die sich als Opfer der geschichtlichen Kataklysmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Exil wiederfanden. Einer mit dem Herkunftsland verbundenen Elterngeneration stand damit eine im Ausland heranwachsende zweite Generation gegenüber, deren Lebenswelt, nach Verlust des vertrauten sprachlichen und kulturellen Umfeldes, zumeist von Krieg, Vertreibung, Flucht und mehrfachen Wohnortswechseln gekennzeichnet war. Um Kontinuität der russischen Kultur fernab der Heimat gewährleisten zu können, entfalteten sich in den Zufluchtsländern der russischen Emigration während der Zwischenkriegszeit rege literarische Aktivitäten, die den Zusammenhalt der russischen Kultur trotz geographischer Zerstreuung über unterschiedliche Lebensräume begünstigen sollten.

Die folgenschwere Spaltung der russischen Literaturentwicklung in eine ideologisch reglementierte Inlands- sowie eine sich außerhalb Russlands eigenständig entwickelnde Exilliteratur nach 1917 wirkte sich ebenso auf den Bereich der Kinderliteratur aus. Während Kinderliteratur im sowjetischen Russland ab Mitte der 1920er-Jahre einer zunehmenden Vereinnahmung für ideologische Zwecke unterlag, konnte sie sich parallel hierzu zwischen 1918 und 1939 in der russischen Emigration frei entfalten.

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