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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Edited By Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Janusz Golec - Großstadtmythologie und -wirklichkeit. Franz Hessels Spazieren in Berlin

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Janusz Golec  (UMCS Lublin)

Großstadtmythologie und -wirklichkeit. Franz Hessels Spazieren in Berlin

Wer nichts weiß von Berlin, dem wird Franz Hessel vieles sagen, wer etwas weiß von dieser Stadt, wird ihm für Bereicherung des eigenen Wissens dankbar sein. Wer aber gehofft hat, in dem Verfasser einen Offenbarer des Wesens der Stadt zu finden, dürfte enttäuscht sein.1

Mit diesen Worten quittiert einer der ersten Rezensenten des quasi ,Berlin-Baedecker‘ Spazieren in Berlin von Franz Hessel und er ist nicht der Einzige, der dieses Buch missverstanden hat. Einer der nächsten, der seine Rezension allerdings anonym veröffentlicht hat, nennt Hessel den „stille[n], beschauliche[n] Chronist[en] dieser lärmenden Millionenstadt, man glaubt den kühlen Wanderer vor sich zu sehen, wie er am Morgen auszieht, um Neukölln und Britz zu entdecken, und am Abend der aufhorchenden Familie am Kamin seine Abenteuer erzählt“.2 Diese Sätze sind schon viel treffender, wenn es um die Intentionen des Berlin-Flaneurs Hessel geht, denn worauf sein Spazieren zielt, ist die Behaltung des ,Ersten Blicks‘, also einer Sichtweise der Stadt, die der eines Fremden gleicht. Hessel meint, man müsse, wenn man die Stadt richtig sehen – oder wie er es nennt − ,lesen‘ will – die Wirklichkeit mit dem „Zeitlupenblick des harmlosen Zuschauers“3 betrachten, beim ,Ersten Blick‘ verweilen, weil man die Stadt, in der man lebt (d.h. deren Bürger man ist), nur auf diese Art und Weise aufs Neue gewinnen oder...

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