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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Alexander Chertenko - Transitraum als Erinnerungsort in Alexander Häussers Zeppelin!

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Alexander Chertenko  (Schewtschenko-Institut für Literatur der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine Kiew)

Transitraum als Erinnerungsort in Alexander Häussers Zeppelin!

Unter den Topoi, die auf die technische Revolution der Moderne, genauer auf die Fortschritte der Verkehrsmittel, verweisen, galt der Zeppelin von Anfang an als ein deutsches Luftfahrzeug.1 Von den in Frankreich und England überhandgenommenen „Drachenfliegern“ unterschied sich der Zeppelin durch die Reduktion der Figur des Piloten zugunsten des Konstrukteurs2, nämlich des preußischen Grafen und Obersts Ferdinand von Zeppelin, ferner durch seine ursprüngliche Bestimmung für militärische Zwecke3 und die deutlich ausgeprägte transitorische Beschaffenheit, die aus seiner Fähigkeit, viel länger als das damalige Flugzeug in der Luft zu schweben und somit politische und geografische Grenzen zu relativieren, hervorging. Die Spezifik der nationalistischen Aneignung dieser und anderer Parameter des Zeppelins in der Kultur der Jahrhundertwende findet ihre Ausprägung u.a. in dem nach der Katastrophe des „Z4“-Modells geschriebenen Essays Zeppelin (1908) von Hugo von Hofmannsthal. Der österreichischen Staatsangehörigkeit des Autors ungeachtet, wird hier der Zeppelin gerade als Produkt des „deutschen Geistes“ archiviert. Von der Umwandlung des seiner konkreten Eigenschaften, seiner Passagiere und Piloten beraubten Luftschiffes zur Projektionsfläche, auf die eine zeitgemäße Semantik projiziert werden kann, zeugt schon die Verwerfung des „platten Begriff[s] ‚Schicksal‘“ und die Lektüre der Katastrophe als eines kohärenten Textes:

Nichts an dieser Katastrophe mutet ‚zufällig‘ an; der Augenblick, in dem sie hereinbricht, ihr...

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