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Zwischen Orten, Zeiten und Kulturen

Zum Transitorischen in der Literatur

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Edited By Jolanta Pacyniak and Anna Pastuszka

Im Mittelpunkt des Bandes stehen das vielfältige Konzept des Transitorischen und seine literarischen Ausgestaltungen. Die Beiträge beleuchten den etwas diffusen Begriff des Transitorischen anhand unterschiedlicher literarischer Werke, Motive, Themen und Topoi. Das dargestellte Spektrum der Forschungen reicht von den negativen Erfahrungen des Transits in der Exilliteratur über das Motiv der Reise, das Topos des homo viator, transitorische Orte und Zustände bis zu transitorischen Identitäten. Im Horizont einer «Poetik des Transitorischen» (Rüdiger Görner) entsteht aus fließenden Übergängen und Grenzen ein «Dazwischen». Zu dieser Poetik gehören u.a. die Erkenntnisse der Wandelbarkeit und Prozesshaftigkeit der scheinbar feststehenden Kategorien (Nation, Kultur, Geschlecht, Identität), die veränderte Raumwahrnehmung, die Aufwertung der Bewegung und die Versuche, das (post-)moderne Subjekt zu verorten.
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Jolanta Pacyniak - Transitorische Orte und Zustände bei Olga Tokarczuk

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Jolanta Pacyniak  (UMCS Lublin)

Transitorische Orte und Zustände bei Olga Tokarczuk

Die Bewegung ist ein konstitutives Element im Schaffen Tokarczuks.1 Diese ständige Mobilität der Helden im Schaffen Tokarczuks ist besonders im Roman Unrast ersichtlich, der sich aus verschiedenen Formen, wie Anekdoten, Briefen, Glossen, Auszügen aus alten Reiseberichten und autobiographischen Reflexionen zusammensetzt und die geläufige Metapher des Lebens als einer Reise aufgreift. Diese Lebensreise enthüllt bei Tokarczuk, wie dies Agnieszka Brockmann unterstreicht, viele ungeahnte Dimensionen,2 was jedoch am prägnantsten wirkt, ist die ständige Beweglichkeit der Individuen, die sich an verschiedenen Orten aufhalten, vor allem an Räumen, die einen Übergangs- oder Durchgangscharakter haben. In den vielen autobiographischen Reminiszenzen der Ich-Erzählerin, taucht vor allem der Flughafen als transitorischer Raum, in und mit dem die Bewegung stattfindet, auf. Ihm werden ganze Passagen gewidmet, in denen dem Wesen dieses Ortes auf die Spur zu kommen versucht wird. Die Flughäfen sind an den Peripherien der Städte als ihre Ergänzung situiert, aber werden ihre dienende Funktion in der Zukunft nach Tokarczuk einbüßen. Es wird gerade umgekehrt sein, die Städte werden an die Flughäfen angeschlossen, das wahre Leben vollzieht sich doch in der Bewegung und gerade die Bewegung macht die Flughäfen aus.3 In diesem Sinne wird der transitorische Raum aufgewertet und neu konstruiert. Der Flughafen wird zu einem selbstständigen Ort erhoben, der als Stadtstaat fungiert und dessen Standort zwar fest ist, aber...

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