Show Less
Restricted access

Gegenwartsprosa im Literaturunterricht

Eine diskursanalytische Studie zur literaturdidaktischen Auswahlpraxis in den 1950er und 1970er Jahren

Series:

Julia Heuer

Das Buch verfolgt ein zweigeteiltes Forschungsinteresse. Zum einen soll anhand literaturdidaktischer Fachzeitschriften rekonstruiert werden, welche jeweils zeitgenössischen Werke aus dem Bereich der Gegenwartsprosa von Literaturdidaktikerinnen und -didaktikern zwischen 1948 und 1959 sowie zwischen 1965 und 1975 für den Deutschunterricht ausgewählt werden. Die zweite Frage zielt auf die Präzisierung der im ersten Schritt gewonnenen Befunde: Welche Legitimationsmuster werden seitens der Fachdidaktik zur Begründung der Auswahl gewählt? Die Antworten hierauf können sowohl die Resonanz auf die jeweils zeitgenössische Literatur quantitativ nachweisen als auch die den Empfehlungsdiskurs konstituierenden rhetorischen Strategien offenlegen.
Show Summary Details
Restricted access

3.1.7 Die zeitgenössische Diskussion um das Lesebuch

Extract

Einen weiteren Gegenstand der fachlichen Diskussion bildeten bereits zu Beginn der 1950er Jahre die neuen Lesebücher für den Deutschunterricht. Mit Ausnahme der frühen Kritik Robert Minders (vgl. Minder 1953) und Walther Killys (vgl. Killy 1956/57) am deutschen Nachkriegslesebuch wurden die Auseinandersetzungen der Zeitgenossen mit dem damaligen Lesebuch im Vergleich zur Lesebuchkritik der 1960er Jahre (vgl. Helmers 1969a) von der Forschung kaum zur Kenntnis genommen. Dabei zeigt diese Debatte einmal mehr, dass von einer Gleichgerichtetheit der damaligen Literaturdidaktik keine Rede sein kann. Wie eine ganze Reihe von Aufsätzen zur „Lesebuchfrage“ belegt, wird der Frage nach den Anforderungen an das künftige Lesebuch für den Deutschunterricht seitens der Schule, der Fachdidaktik sowie der Hochschulgermanistik schon damals eine große Bedeutung beigemessen. Diskutiert wurde dieses Thema bemerkenswerterweise jedoch (von zwei Ausnahmen in Wirkendes Wort abgesehen) ausschließlich in pädagogischen Fachorganen, in Der Deutschunterricht finden derlei Fragen keinen Niederschlag.181 Vorab sei noch betont, dass die folgenden Ausführungen keinesfalls den Eindruck banaler, weil für die weitere Genese der Literaturdidaktik unbedeutender Randnotizen erwecken sollen. Abgebildet wird anhand zahlreicher Quellen ein Ausschnitt des Lesebuchdiskurses der 1950er Jahre, mit dessen Hilfe ich die Notwendigkeit darlegen möchte, Fachgeschichtsschreibung nicht auf die dominierenden Sprecher wie Minder und vor allem Killy, die qua Titel und akademischer Position in der Forschung bisher stärkere Beachtung fanden, zu reduzieren. Für die Literaturdidaktik der 1950er Jahre ergibt sich aus einer solchen Vorgehensweise ein deutlich vielstimmigeres und damit widersprüchlicheres Bild als die immer wieder...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.