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Gegenwartsprosa im Literaturunterricht

Eine diskursanalytische Studie zur literaturdidaktischen Auswahlpraxis in den 1950er und 1970er Jahren

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Julia Heuer

Das Buch verfolgt ein zweigeteiltes Forschungsinteresse. Zum einen soll anhand literaturdidaktischer Fachzeitschriften rekonstruiert werden, welche jeweils zeitgenössischen Werke aus dem Bereich der Gegenwartsprosa von Literaturdidaktikerinnen und -didaktikern zwischen 1948 und 1959 sowie zwischen 1965 und 1975 für den Deutschunterricht ausgewählt werden. Die zweite Frage zielt auf die Präzisierung der im ersten Schritt gewonnenen Befunde: Welche Legitimationsmuster werden seitens der Fachdidaktik zur Begründung der Auswahl gewählt? Die Antworten hierauf können sowohl die Resonanz auf die jeweils zeitgenössische Literatur quantitativ nachweisen als auch die den Empfehlungsdiskurs konstituierenden rhetorischen Strategien offenlegen.
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7. Diskursanalytisches Resümee: Die literaturdidaktische Auswahlpraxis deutschsprachiger Gegenwartsprosa in der Mitte des 20. Jahrhunderts

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Das Ziel dieses vorletzten Kapitels besteht in der Beschreibung und Interpretation des literaturdidaktischen Empfehlungsdiskurses von Gegenwartsprosa in der Zeit zwischen 1948 und 1975. Der diskursanalytische Zugriff der vorliegenden Studie und das auf sie zugeschnittene Forschungsdesign wollten möglichst differenziert zeigen, welche literaturdidaktischen Begründungsmuster zu welchem Zeitpunkt bei einer bestimmten Lektüreauswahl zum Tragen gekommen sind und inwiefern die untersuchte Legitimationsrhetorik historischen Entwicklungen unterworfen ist.333 Wenn es um die Beobachtung diskursiven Wandels geht, so ist auf theoretischer Ebene noch einmal an die (umstrittene) Bedeutung des Subjekts in der Diskurstheorie zu erinnern. Wie in Kapitel 1.3.3 ausführlich erläutert, knüpfe ich in dieser Frage weitgehend an die auf Pierre Bourdieu rekurrierende „erweiterte Diskursgeschichte“ Peter Haslingers (vgl. Haslinger 2006) an. Auch Reiner Keller entwirft in seinem Programm einer „wissenssoziologischen Diskursanalyse“ ein Akteurskonzept, in dem diskursiver Wandel – Keller spricht von der „Transformation einer Diskursstruktur“ – auf den „aktiv-interpretierenden Umgang“ der Sprecher mit den ihn vorgegebenen „Orientierungsmustern“ (alle Zitate Keller 2011, 206) zurückgeführt wird. Es stellt sich jedoch die Frage, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Diskursakteure durch ihre Aussagen derlei Veränderungen herbeiführen. Keller macht hierfür „Ereignisse“ verantwortlich334: „Spezifische Ereignisse generieren Gelegenheitsstrukturen, in denen gesellschaftliche Wissensverhältnisse durch diskursiv formierte Wissenspoliliken sozialer Akteure herausgefordert werden.“ (Ebd., 280) Solche Ereignisse evozierten „Irritationserfahrungen auf der Ebene kollektiver Wissensvorräte bzw. symbolischer ← 315 | 316 → Ordnungen“, die zum „Katalysator von Diskursen“ (ebd., 291) würden. In der vorliegenden Studie wurde mit der Wahl der Untersuchungszeiträume bewusst herbeigeführt, dass sich die Ergebnisse...

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