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Reichsdramaturgie

Kulissen und Choreographien der Macht im NS-Staat

Gunter Reiß

«Reichsdramaturgie» wird definiert als Chiffre für totalitäre Massensuggestion. Sie bezieht sich sowohl auf die Instrumentalisierung des Theaters durch Goebbels als auch auf die Inszenierungsformen des sich als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates.
Rückgriffe auf Denk- und Handlungsmuster der NS-Zeit sowie Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender prägen weiterhin Teile der deutschen Öffentlichkeit und beginnen, demokratische Übereinkünfte und Grundrechte auszuhebeln. Die Analyse der Theatralik des Faschismus bestätigt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als einen unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns.
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Das Bühnenbild: die ins Monumentale gesteigerte Umgebung

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Die nationalsozialistische Theaterästhetik setzt auf wirksame Weise an der Bühnenszenerie an. Die geforderte Visualisierung einer ‚latenten Metaphysik‘ in der Dichtung führt zu einer spezifischen „Überhöhung“ des Bühnenbildes.80 Die Kulisse ist nicht nur Schauplatz einer Handlung, sie wird „bedeutsam“, erhält symbolische Funktion und verweist auf sogenannte Urbilder des Lebens. Enthistorisierung und Monumentalisierung gehen damit einher. Uwe-Karsten Ketelsen hat diese Funktion des Bühnenbildes und der Szenerie an den Regieanweisungen ← 28 | 29 → ausgewählter NS-Dramen beschrieben.81 Auffällig ist am Inventar der nationalsozialistischen Bühne die „Strenge der Konstruktion und die wuchtige Kargheit der Bühnenarchitektur“.82

Die folgenden Beispiele entnehme ich der 1941 in erster Auflage erschienenen Dokumentation Unbekanntes Theater. Ein Buch von der Regie von Karl Blanck und Heinz Haufe.83 Die bei Blanck und Haufe abgedruckten Bilddokumente veranschaulichen den Stellenwert des Bühnenbildes.

Abb. 1  Franz Grillparzer: König Ottokars Glück und Ende, Stuttgart, Staatstheater.



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