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Reichsdramaturgie

Kulissen und Choreographien der Macht im NS-Staat

Gunter Reiß

«Reichsdramaturgie» wird definiert als Chiffre für totalitäre Massensuggestion. Sie bezieht sich sowohl auf die Instrumentalisierung des Theaters durch Goebbels als auch auf die Inszenierungsformen des sich als ästhetisches Spektakel präsentierenden faschistischen Staates.
Rückgriffe auf Denk- und Handlungsmuster der NS-Zeit sowie Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender prägen weiterhin Teile der deutschen Öffentlichkeit und beginnen, demokratische Übereinkünfte und Grundrechte auszuhebeln. Die Analyse der Theatralik des Faschismus bestätigt die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit als einen unverzichtbaren Bestandteil unseres gesellschaftlichen Denkens und Handelns.
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Führerkult und Sakralraum

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Hans-Jochen Gamm hat „Parallelen zwischen Christentum und Nationalsozialismus“ bzw. „Anleihen des Nationalsozialismus beim Christentum“152 analysiert und als eines der hervorstechenden Merkmale des „Führerkults“153 auch die Usurpation von „abendländisch vorgeprägte[n] Räume[n]“154, insbesondere von Kirchenräumen, benannt. Diese Innenräume funktionieren im Kleinen wie die Raum-Szenarien der Massenaufmärsche: Ein solcher „braune[r] Sakralraum“155 weist die „Gesamtanordnung einer Kirche“ auf: „Mittelgang, Bänke, Altarbezirk, sogar das Balkenwerk“156. Das Beispiel, das Gamm heranzieht157, gleicht den Prototypen, die in einer vom Reichsamt „Schönheit der Arbeit“ herausgegebenen Beispielsammlung158 für die Ausstattung eines Betriebes der 1930er Jahre vorgestellt und im Kapitel „Gemeinschaftsräume“ als Vorbild empfohlen werden159. ← 62 | 63 →

Abb. 22  Reichsamt „Schönheit der Arbeit“: Feierraum eines Gemeinschaftshaus.



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