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Mitteldeutsche Orientliteratur des 12. und 13. Jahrhunderts. «Graf Rudolf» und «Herzog Ernst»

Ein Beitrag zu interkulturellen Auseinandersetzungen im Hochmittelalter

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Yücel Sivri

Die beiden mitteldeutschen Epen «Graf Rudolf» und «Herzog Ernst» spielen zwar in den neuesten Darstellungen der Geschichte der deutschen Regionalliteratur eine Rolle, aber ihre Einordnung in Gattungen lässt Fragen offen. Zur Diskussion stehen ihre Verbindung zur Heldenepik sowie ihre Rezeption besonders im mitteldeutschen Kulturraum. Dadurch, dass der Autor die Werke in die historischen Zusammenhänge des ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts einordnet und Motivverwandtschaften als Ausdruck des im Hochmittelalter blühenden Kulturaustausches interpretiert, werden die bis in die jüngste Zeit gängigen Bezeichnungen «Fabulierlust» oder «orientalische Exotik» obsolet. Der Autor hebt die Einzigartigkeit dieser Epen ebenso wie ihre Vorbildhaftigkeit hervor, indem er sie in weltliterarische Zusammenhänge einordnet.
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2. ‘Graf Rudolf’

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2.    ‘Graf Rudolf’

2.1.    ‘Graf Rudolf’ als innovatives höfisches Versepos

2.1.1.    Handschriftliche Überlieferung

Vierzehn Fragmente, die zu einer Handschrift gehören, wurden 1823 in Celle und 1842 in Braunschweig (Stadtbiblioth., Fragm. 36) entdeckt.75 Diese sind auf einem Doppelblatt und auf der oberen Hälfte eines Doppelblattes aus Pergament niedergeschrieben und stammen von zwei Schreibern.76 Wilhelm Grimm publizierte die zehn Blätter (A-I) zum ersten Mal 1828 unter dem Titel ‚Grave Rudolf’.77 1844 gab dieser eine um 4 Blätter (α-δ) erweiterte zweite Ausgabe heraus.78 Dabei konstatierte er, dass an den vorliegenden Teilen der Fragmente zwei Schreiber beteiligt gewesen sein müssen: Der erste schrieb α-δ und A-F, der andere G-K.79 Aufbewahrt werden die Fragmente A-K in Göttingen ← 31 | 32 → (Göttingen, Staats- und Universitätsbibl., 4° Cod. Ms. philol. 184:VII) und die Fragmente α-δ in Braunschweig (Braunschweig, Stadtbibl., Fragm. 36). Bei dem epischen Werk, das „schon wegen der gelehrten und geistlichen Erklärungen seines ersten Herausgebers für die Mittelhochdeutsche Literatur nicht ohne Werth sein darf“,80 handelt es sich um insgesamt 14 Fragmente, „deren Trefflichkeit in Ausführung und Darstellung nach seinem Vorgange ebenso anerkannt wurde als ihr Zusammenhang“,81 jedoch „die Motive und der Abschluss des Inhalts völlig rätselhaft blieb.“82 Wie oben erwähnt, wurden diese Fragmente von Grimm von A bis K bezeichnet und angeordnet. Darüber schreibt Georg Holz: „Sie bilden sieben Doppelblätter, denn es hängen Bl. a und o, A und...

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