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Mitteldeutsche Orientliteratur des 12. und 13. Jahrhunderts. «Graf Rudolf» und «Herzog Ernst»

Ein Beitrag zu interkulturellen Auseinandersetzungen im Hochmittelalter

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Yücel Sivri

Die beiden mitteldeutschen Epen «Graf Rudolf» und «Herzog Ernst» spielen zwar in den neuesten Darstellungen der Geschichte der deutschen Regionalliteratur eine Rolle, aber ihre Einordnung in Gattungen lässt Fragen offen. Zur Diskussion stehen ihre Verbindung zur Heldenepik sowie ihre Rezeption besonders im mitteldeutschen Kulturraum. Dadurch, dass der Autor die Werke in die historischen Zusammenhänge des ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhunderts einordnet und Motivverwandtschaften als Ausdruck des im Hochmittelalter blühenden Kulturaustausches interpretiert, werden die bis in die jüngste Zeit gängigen Bezeichnungen «Fabulierlust» oder «orientalische Exotik» obsolet. Der Autor hebt die Einzigartigkeit dieser Epen ebenso wie ihre Vorbildhaftigkeit hervor, indem er sie in weltliterarische Zusammenhänge einordnet.
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6. Historistheologische Hintergründe für das ambivalente Verhältnis zwischen Christen und Moslems. Dessen Niederschlag im ‘Grafen Rudolf’ und im ‘Herzog Ernst’

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6.    Historisch-theologische Hintergründe für das ambivalente Verhältnis zwischen Christen und Moslems. Dessen Niederschlag im ‘Grafen Rudolf’ und im ‘Herzog Ernst’

Nicht das Fortbestehen des islamischen Arabertums als Pendant zum Christentum hat die Christen im Okzident dazu getrieben, Kreuzzüge ‒ die größte Mobilmachung aller Zeiten ‒ auf die Beine zu stellen, sondern das Eindringen der aufstrebenden, flexiblen Türken691 im seit fast einem halben Jahrtausend arabisch ← 223 | 224 → ← 224 | 225 → geprägten historischen Raum. Dieser Vormarsch der Türken kippte die byzantinisch-arabische Machtbalance in Vorderasien zuungunsten beider Parteien und erforderte aus Sicht der Christen ein Eingreifen. Jede Art von byzantinisch-turkomanischer Konfrontation war der vatikanischen Politik sehr willkommen. Für den katholischen Westen war dagegen jede Annäherung zwischen den islamisierten Türken,692 den Turkomanen und häretisch-schismatischen Orthodoxen suspekt. Die sesshaft gewordenen arabischen Stämme waren militärisch lange nicht so erfolgreich wie die expandierend-nomadisierenden Türken,693 über die sie vor ihrer Ankunft ziemlich gut Bescheid wussten.694 Die extrem geschmeidigen Truppen ← 225 | 226 → der türkischen Fürsten hingegen waren umso schlagkräftiger, je mehr sie in den Westen vordrangen.

Schon im 6. Jahrhundert waren die Türken verlässliche Bündnispartner des byzantinischen Kaiserhauses.695 Selbst den arabischen Reitervölkern imponierten ← 226 | 227 → die türkischen Krieger mit ihren Reit- und Kampfkünsten, wobei die arabischen Nomaden die europäischen Reisenden an diabolische Wesen erinnerten.696 Pfeil und Bogen, die Wunderwaffen der Antike, verleihen demjenigen, der mit ihnen umgehen kann, Macht und Überlegenheit.697...

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