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Russland im 21. Jahrhundert. Reif für eine multipolare Welt?

Eine Analyse der strategischen Kultur Russlands und das daraus abgeleitete Erfordernis einer konfliktsensiblen Außen- und Sicherheitspolitik gegenüber Russland

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Norbert Eitelhuber

Wie mit Russland reden? Angesichts der aktuellen Ukraine-Krise identifiziert das Buch die strategische Kultur Russlands, zeigt deren Auswirkung auf die heutige Außen- und Sicherheitspolitik auf und zieht Folgerungen für den Umgang mit Russland. Neorealistische Analysen können Russlands Verhalten in der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts nur begrenzt erklären und führen in ihren Schlussfolgerungen zu einem Wiederaufleben der früheren Blockkonfrontation. Ein wesentlicher Wandel der strategischen Kultur erfolgte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Kooperative Politikansätze können darauf aufbauen. Der politische Westen sollte Mut zu mehr Pluralismus im internationalen System zeigen. Eine erneute Blockkonfrontation ist vermeidbar – dies ist eine zentrale Aussage des Buches.
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5. Erfordernis einer konfliktsensiblen Außen- und Sicherheitspolitik gegenüber der Russischen Föderation

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Eine Einbindung Russlands als verantwortungsvoller Akteur1003 wird auf absehbare Zeit nur möglich sein, wenn die sich aus der strategischen Kultur Russlands ergebenden Forderungen an das internationale System Berücksichtigung finden.

Charles Kupchan, der in einer umfangreichen Untersuchung die Quellen eines stabilen Friedens zu ergründen sucht, identifiziert fünf Hauptfaktoren: (1) Das Engagement mit Kontrahenten ist kein Appeasement, sondern Diplomatie. Rivalitäten werden nicht durch Isolation oder Eindämmung beendet, sondern durch Verhandlung und gegenseitiges Entgegenkommen. (2) Demokratie ist keine notwendige Bedingung für Frieden. Auch autoritäre Systeme sind in der Lage, Partnerschaften untereinander und mit Demokratien einzugehen. (3) Durch politische Versöhnung, nicht durch wirtschaftliche Zusammenarbeit, werden die Grundlagen eines stabilen Friedens gelegt. (4) Die Vereinbarkeit der Gesellschaftsordnungen ist ein wesentlicher Förderer eines stabilen Friedens. Ihr kommt größere Bedeutung bei als dem Herrschaftssystem. (5) Kulturelle Gemeinsamkeiten spielen eine bedeutsame Rolle für einen stabilen Frieden.1004

Ein stabiler Frieden kan n in vier Phasen erreicht werden: (1) Die Versöhnung beginnt mit einem einseitig vorgebrachten Angebot oder Zugeständnis. (2) Beide Seiten üben sich in gegenseitiger Zurückhaltung. Mittels gegenseitiger Zugeständnisse können sich beide Seiten nach und nach von der Konfrontation lösen. (3) Durch wachsende Interaktion vertieft sich auch die soziale Integration, getrieben durch diejenigen, die dadurch ihre Interessen am besten gewahrt sehen. (4) In der letzten Phase bilden sich neue Identitäten und ← 337 | 338 →Narrative heraus.1005 Die strategische Kultur beider Seiten wird nach und nach...

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