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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
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Verena Gold - ‚Abfall‘ und ‚Abschaum‘ – Identifizierung und Kategorisierung als Voraussetzung des Identitätsverlusts in Gisela Elsners Berührungsverbot und Ingeborg Bachmanns Malina

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Verena Gold

‚Abfall‘ und ‚Abschaum‘ – Identifizierung und Kategorisierung als Voraussetzung des Identitätsverlusts in Gisela Elsners Berührungsverbot und Ingeborg Bachmanns Malina

Vielfach ist festgestellt worden, dass Fragen der Identität im 20. Jahrhundert zu einem entscheidenden Problem geworden sind. Auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema hat dementsprechend deutlich zugenommen – besonders im Trend ist Identität als Forschungsthema etwa in den Achtzigerjahren. Bei genauerer Betrachtung kann das kaum verwundern: Möchte man Stationen der Entstehung neuer Herausforderungen für das Individuum ausmachen, müssen die Siebzigerjahre sicherlich als Weichenstellung einer Entwicklung hin zur Gegenwartsgesellschaft genannt werden. Entscheidende sozio-kulturelle, wirtschaftliche, politische und technische Umgestaltungen ergeben sich in diesem Jahrzehnt, die sich zudem auf den Einzelnen ganz direkt auswirken: Familiensystem, Wohnsituation, Arbeitsmarkt und Gesellschaftsstruktur verändern sich eklatant, was wahlweise als Befreiung oder Bedrohung des Individuums wahrgenommen und ausgegeben wird.

Im Folgenden sollen zwei Werke herausgegriffen werden, die gleich am Anfang der Siebzigerjahre erschienen sind: Gisela Elsners Roman Das Berührungsverbot (1970) und Ingeborg Bachmanns Malina (1971). Beiden Autorinnen ist es wichtig, aus dem alltäglichen und ganz gewöhnlichen Leben der Figuren heraus eine Handlung zu erschaffen, und beide Werke werden weitreichend besprochen – und teilweise stark kritisiert. Inhaltlich sind die zwei unterschiedlichen Texte vergleichbar, weil sich in beiden eine Verletzung der Identität einer weiblichen Figur aus einer Herabsetzung durch das unmittelbare Umfeld ergibt, also durch „das Tun und Lassen ‚signifikanter Anderer‘“,1 das Straub als konstitutiv für die...

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