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Vom Ich erzählen

Identitätsnarrative in der Literatur des 20. Jahrhunderts

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Edited By Heribert Tommek and Christian Steltz

Narrative des Ich und des Selbst sind für die bürgerliche Kultur konstitutiv. Dieser Band beleuchtet, wie das Ich seit Rimbauds Fanal «Je est un autre» destruiert wurde. Nietzsches «Tod Gottes» entthronte das Ich. Ernst Mach erklärte es für «unrettbar», da er es auf seine einzelnen Elemente zurückführte, während Freud das Ich schließlich nach seinen Funktionen im psychischen Apparat zerlegte. Mit der Ich-Auflösung vollzog sich eine fundamentale metaphysische Krise. Die Beiträge zeigen, wie sich diese Auflösung als Katalysator für eine dynamisierte Modernisierung der Künste erwies. Denn paradoxerweise steht die Destruktion des Ich für eine neue, autonome Subjektkonstitution in der Literatur des 20. Jahrhunderts.
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Alexandra Pontzen - Autofiktion als intermediale Kommunikation: Französische und deutschsprachige Ich-Narrationen der Gegenwart im Vergleich (M. Houellebecq, T. Glavinic, G. Grass, F. Hoppe, M. Köhlmeier, D. Leupold und C. J. Setz)

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Alexandra Pontzen

Autofiktion als intermediale Kommunikation: Französische und deutschsprachige Ich-Narrationen der Gegenwart im Vergleich (M. Houellebecq, T. Glavinic, G. Grass, F. Hoppe, M. Köhlmeier, D. Leupold und C. J. Setz)

Im Rahmen der Verleihung des Walter-Hasenclever-Literaturpreises der Stadt Aachen an den österreichischen Autor Michael Köhlmeier las der Preisträger aus Zwei Herren am Strand (2014),1 seinem Roman über die – fiktional ausgeschmückte – Freundschaft zwischen Winston Churchill und Charlie Chaplin. Die beiden prominenten Figuren der Zeitgeschichte verband ihre politische Gegnerschaft gegen Hitler, ihr Künstlertum (Churchill malte) und ihre Depressivität, die beide schon als Kinder quälte. Letzteres gilt auch für den Ich-Erzähler, dessen Beziehung zum Stoff zusätzlich biographisch verdichtet wird, weil schon sein Vater – gegen seine Depression – eine Churchill-Biographie schreiben will, für die er umfassend recherchiert. Anlässlich der Preisverleihung las Köhlmeier folgende Passage:

Im Herbst 1974 nahm mein Vater in Aachen an einem Symposion anlässlich des 100. Geburtstags von Winston Churchill teil. Er saß im Rathaus unter den Zuschauern, als Mr. William Knott – „The very private Private Secretary to a very prime Prime Minister“ – auf der Bühne von dem Journalisten und Churchill-Biographen Sebastian Haffner interviewt wurde. Nach der Veranstaltung – die im selben Saal stattfand, in dem Churchill 1956 den Karlspreis entgegen genommen hatte – hielt mein Vater den unscheinbar aussehenden, ebenso verschlossen wie extrovertiert wirkenden Zeitzeugen am Ärmel fest […].2

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