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Karl Marbe: Zeitgemäße populäre Betrachtungen für die kultivierte Welt

Aus dem Nachlass eines deutschen Gelehrten

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Armin Stock

Dieses Buch präsentiert erstmals ein bislang unbekanntes Werk aus dem Nachlass des Psychologen Karl Marbe (1869–1953). Seine «zeitgemäßen Betrachtungen» sind eine populär verfasste, aber dennoch tiefgreifende Analyse der Mechanismen der Volksverführung, wie es sie nicht nur im Dritten Reich gegeben hat, sondern auch in den Jahrhunderten zuvor. Marbe verarbeitete in diesem Buch seine Kenntnisse der Massenpsychologie, der Suggestion sowie der Werbe- und der Konsumentenpsychologie und erschuf ein Werk, das auch heute noch von hoher Aktualität ist und zur Wachsamkeit mahnt.
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Einleitung

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Als am Abend des 16. März 1945 Fliegeralarm für die Stadt Würzburg gegeben wurde und die Sirenen aufheulten, begab sich Karl Marbe, emeritierter Psychologieprofessor der Universität Würzburg, zusammen mit seiner Frau Milly Marbe-­Fries, dem Dienstmädchen und zwei weiteren Frauen in den Keller seines 1932 erbauten Hauses am Judenbühlweg 7. Das Haus liegt unweit des Mains oberhalb der Mergentheimer Straße am westlichen Standrand. Gegen 21:25 Uhr dröhnten 223 britische Bomber mit einer Last von nahezu tausend Tonnen Spreng- und Brandbomben über die durch Leuchtbomben markierten Sportplätze an der Mergentheimer Straße, Marbes Haus unter sich vorbeiziehend, in Richtung Stadtmitte. Der Angriff dauerte nur 17 Minuten bis 21:42 Uhr. Die Briten verloren dabei sechs Maschinen und 49 Mann. Die Stadt Würzburg jedoch war nahezu vollständig zerstört und schätzungsweise 5.000 Bewohner mussten ihr Leben lassen. Marbe beschrieb jene Nacht in einem Auszug aus seinem Tagebuch1 folgendermaßen:

„Wir befanden uns in der Nacht des 16. März nach einem »Fliegeralarm« im Keller, um dort Schutz zu suchen. Neben uns befand sich Frau Geheimrat Pohle, unser langjähriges Mädchen Anna Halder und eine Frau, der ich ein Zimmer im Souterrain zur Verfügung gestellt hatte. Obgleich die Bombenabwürfe immer näher kamen, verhielten sich die beiden genannten Frauen ruhig. Unsere Hausgehilfin Anna war dagegen so aufgeregt, daß sie sich auf den Boden legte und schrie. Meine Frau und ich hielten uns...

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