Show Less
Restricted access

Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
Show Summary Details
Restricted access

Mönchische Züge im imaginären Dichterbild Hofmannsthals, Rilkes und Kafkas

Extract



Petrarca in der Abgeschiedenheit von Fontaine de Vaucluse, Hölderlin im Turm am Neckar, Tolstoi in Jasnaja Poljana, Proust in dem gegen Lärm und natürliches Licht geschützten Zimmer am Boulevard Haussmann, Ezra Pound in einem Gitterkäfig des amerikanischen Straflagers in Pisa … – untrennbar verbinden sich mit der Imago vieler Dichter Bilder von Orten, an denen sie freiwillig oder gezwungen lebten, und nicht selten haben diese Bilder spätere Dichter inspiriert – Christoph Ransmayrs Die letzte Welt über den ans Schwarze Meer verbannten Ovid ist ein Beispiel von vielen.

Von den realen Lebens- und Schaffensorten zu unterscheiden sind – wie auch immer ihnen verbunden – die imaginären Orte, an denen Dichter zu leben behaupten oder zu leben und schreiben wünschen oder auch fürchten, leben und schreiben zu müssen. Diese Tradition reicht ebenfalls bis in die Antike zurück. Starke Impulse für ihre neueren Ausprägungen gingen von Rousseau aus, dessen „Ermitage“ bei Montmorency schon bald nach dem Tod des Autors der Confessions und der Rêveries d’un promeneur solitaire zum Wallfahrtsort wurde; noch Italo Calvino, der an der Pariser Peripherie ein Haus besaß, nannte sich „Eremita a Parigi“. Paul Valéry sprach von Weimar als „une sorte délicieuse de Sainte-Hélène“ für Goethe.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.