Show Less
Restricted access

Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
Show Summary Details
Restricted access

Angst und Religion in Gertrud von Le Forts Novelle Die Letzte am Schafott

Extract



Die Novelle Die Letzte am Schafott (1931) von Gertrud von Le Fort, „das seelisch differenzierteste, psychologisch am sorgfältigsten motivierte Gebilde der Dichterin”1, thematisiert eine tatsächliche Begebenheit: 16 Unbeschuhte Karmelitinnen von Compiègne wurden während der Französischen Revolution wegen der Weigerung, gegen ihr Ordensgelübde zu verstoßen,2 am 17. Juli 1794 guillotiniert.3 Angesichts der verstärkten Christenverfolgungen heutzutage (zwar in einem ganz anderen Kontext) scheint das Thema des Martyriums für den Glauben und der damit verbundenen Angst heute nicht so entfernt zu sein.

Auf das Jahr 2015 fiel auch der 500. Geburtstag der Hl. Theresia von Avila (1515–1582), es liegt also nah, sich einem Text zu widmen, der sich ihre Hymne zum Motto setzt. Sie drückt zugleich den Geist des von ihr reformierten Karmel aus, der die von Le Fort dargestellte Geschichte durchdringt. Die Frage nach dem Sinn und Wert von vita consecrata, im Falle von den Karmeliterinnen: des kontemplativen Lebens in strenger Klausur, rückt nahe. In der berühmten Hymne wird das maximalistische Ideal der Karmeliterinnen4 dargestellt:

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.