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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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‚Fromme Feste, barocke Bacchanale‘. Über das Erscheinen des Bacchus im 17. Jahrhundert

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Ingo BreuerUniversität zu Köln

‚Fromme Feste, barocke Bacchanale‘. Über das Erscheinen des Bacchus im 17. Jahrhundert

Dionysos alias Bacchus wurde geradezu zu einer Leitfigur der Moderne, während diese Figur in der Frühen Neuzeit ein Schattendasein zu fristen scheint, wenn man der germanistischen Sekundärliteratur Glauben schenkt. Dies mag angesichts der Autorität der Antike für Späthumanismus und Barock überraschen, doch die verbreiteten grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber einer Verknüpfung von heidnischer und christlicher Sphäre, wie sie in der Frühen Neuzeit überaus beliebt war, war für diesen heidnischen Gott scheinbar besonders ausgeprägt.1 Die breitere Rezeption ab Ende des 18. Jahrhunderts mit prominenten Autoren wie Wilhelm Heinse und Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche und Thomas Mann wurde denn auch von der Forschung überaus ausführlich aufgearbeitet, während die früheren Jahrhunderte gerade in avancierteren ästhetischen Reflexionen in der Regel keine wesentliche Rolle spielen. Auch Karl Heinz Bohrer blendet die Frühe Neuzeit in seiner Studie Das Erscheinen des Dionysos völlig aus, da er – durchaus typisch für die germanistische Literaturwissenschaft – an „den unterschiedlichen modernen Evokationen des Dionysos-Mythos seit 1800“ und speziell an der Bedeutung seines ‚Erscheinens‘ als „nichtreferentielle[s] Ereignis“ für die Ästhetik der Moderne und Postmoderne interessiert ist.2 ← 65 | 66 →

Recht gibt ihm vordergründig Max L. Bäumer mit seiner umfangreichen Studie Dionysos und das Dionysische in der antiken und deutschen Literatur. Er bezeichnet einen dionysischen...

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