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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Annäherungen an das jüdische Erbe in der ‚zweiten Generation‘ nach der Shoah. Zu den jüdisch-österreichischen Familienromanen von Anna Mitgutsch Haus der Kindheit und Erica Fischer Himmelsstraβe

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Die im Titel dieses Beitrags erwähnten Romane von Anna Mitgutsch und Erica Fischer dürfen als repräsentative Beispiele der modernen Familien- bzw. Generationenromane gelten, die seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre im deutschsprachigen Raum enorme Hochkonjunktur feiern.1 Parallel zu zahlreichen deutschen und österreichischen Familien- und Generationenromanen, die um 2000 einen wahren Marktboom erlebten und deren Fokus auf den transgenerationellen Übertragungsprozessen der NS-Tätergeschichte im familiären Kontext liegt, problematisieren die Romane der jüdisch-deutschen bzw. jüdisch-österreichischen Autorinnen und Autoren die Auswirkungen der Shoah auf die Kinder- und Enkelgeneration, das Schweigen der Eltern, den Umgang mit Juden in Nachkriegsdeutschland und -österreich sowie die problematische Auseinandersetzung der ‚Hiergebliebenen‘ mit der Gedächtnispolitik im jeweiligen ‚Land der Täter‘ und mit Israel.2 Für die Kinder der Überlebenden erscheint die Auseinandersetzung ← 399 | 400 → mit den Reminiszenzen der Eltern als zentral. Ihre Literatur oszilliert zwischen Bruch und Kontinuität. Die Schriftstellerinnen und Schriftsteller distanzieren sich von den „eingeschliffenen Diskursen und Ritualen in der Familie und in der Gesellschaft“3. Sie hadern mit der „Opferidentität ihrer Eltern“, lehnen jedoch auch die ihnen problematisch erscheinende „Versöhnerrolle“ ab.4 Obgleich die Werke dieser Autorinnen und Autoren keine einheitliche Gruppe oder Schule bilden, lässt sich der inhaltliche Bezug auf das gegenwärtig gelebte Judentum doch als Spezifikum vieler dieser Texte bestimmen.5 Angesichts des nicht selten problematischen Verhältnisses der Überlebenden zu ihrem Judentum nehmen sich die Kinder „das Selbstdefinitionsrecht“ zurück.6 Nicht selten erfolgt diese „Wiedereroberung des...

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