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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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„Der Boden für mein weiteres Leben konnte nur die Bukowina sein.“ Moses Rosenkranz’ Heimat- und Identitätssuche in der Autobiographie Kindheit und Jugend

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Das im Titel meines Beitrags angeführte Zitat findet sich im zweiten Teil der Autobiographie von Moses Rosenkranz, Jugend, die – nach langjährigen Ankündigungen des Rimbaud-Verlags als Fragment und vom Verfasser nicht zur Veröffentlichung vorgesehen – im Jahre 2014 publiziert wurde. Der erste Teil, Kindheit, auch ein Fragment, erschien bereits 2001 in demselben Verlag und wurde zu einem großen Erfolg des Autors, ohne dass er ihn bewusst erleben konnte, weil er damals als Siebenundneunzigjähriger bereits erblindet und taub war.1 In Polen wurde Kindheit vor allem von Maria Kłańska untersucht, die u. a. in ihrem Aufsatz über Rosenkranz aus dem Jahre 2007 schrieb, der Schriftsteller habe ursprünglich seine ganze Lebensgeschichte aufzeichnen wollen, schließlich jedoch nur ein fragmentarisches Werk geschaffen, das lediglich seine Kindheit und einen Teil seiner Jugend zur Sprache bringe.2 Kłańska hat Recht, nicht zuletzt weil Rosenkranz selbst mehrmals behauptet hat, dass seine Erinnerungen nur unter den Vertrauten weiter leben sollten und dass vieles, was er in seinem Leben erfahren habe, „unbeschreiblich“, ja „unglaubwürdig“ sei.3 Im Folgenden versuche ich, auf die wichtigsten sprachlichen, mentalen, religiösen und geographischen Grenzgänge von Moses Rosenkranz hinzuweisen, um zu zeigen, welchen mäandrischen Weg er in seinem erfahrungsreichen Leben gegangen ist. ← 417 | 418 →

Edmund Rosenkranz wird am 20. Juni 1904 in Berhometh, einem Dorf am Pruth in dem k. u. k Kronland Bukowina, als siebtes von neun Kindern in einer armen jüdischen Familie geboren. Den christlichen Vornamen (von...

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