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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Verlust als Identität. Das Ich auf der Suche nach dem verschütteten Familiengedächtnis in Katja Petrowskajas Vielleicht Esther (2014)

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Erinnerungen haben ihre Zeit. Es gibt zurückliegende Ereignisse […], von denen wir wissen, daß wir eines Tages ihrer in Ruhe gedenken und sie genauer ergründen wollen. […] So, glaube ich, ist es mir mit der Geschichte meiner Großeltern ergangen. […] Das Wesen meiner Großeltern bestand für mich in ihrer Abwesenheit. […] Es gab Fotos und ein paar Briefe. Vor allem aber gab es ihren Tod […].1

In der zitierten Passage aus Monika Marons Familienroman Pawels Briefe (1999), in dem die Autorin anhand von alten Briefen, Fotos und weiteren Erinnerungsspuren das Porträt ihrer jüdisch-polnisch-deutschen Familie nachzeichnet, wird der Erinnerungsgestus zum inneren Imperativ: Die Rekonstruktions- und Erinnerungsarbeit geht bei Maron (geb. 1941) mit dem Bewusstsein des unwiederbringlichen Verlustes einher, der für sie vornehmlich durch den gewaltsamen Tod ihres Großvaters, Pawel Iglarz, versinnbildlicht wird. Die Kategorie des Verlustes als Schreibimpuls und Identifikationsmuster steht geradezu paradigmatisch für die Literatur der zweiten Post-Shoah-Generation, wobei die Erfahrung des Holocaust grundlegend für das Gedächtnis aller (Post)-Shoah-Generationen ist.2

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