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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Aphoristisch verschlüsselt. Botschaften der Freifrau Marie von Ebner-Eschenbach

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1.  Das Dilemma der Verortung

Da Marie von Ebner-Eschenbach auf ein langes und intellektuell fruchtbares Leben zurückblicken konnte, hängt das Urteil über ihre literarische Position in der sich ständig verändernden und zunehmend liberalisierenden Epoche weitgehend vom Zusammenhang ab, in dem ihr Werk positioniert wird. Schon bei der Epocheneinordnung gibt es Komplikationen, da sie in mehreren literarischen Epochen, von der Biedermeierzeit über den Liberalismus und die Zeit des poetischen Realismus bis hinein in den Modernismus aktiv war. Mit dem „Modernen Durchbruch“ in der Auffassung von Georg Brandes hat sie zwar sympathisiert, ihn aber nicht mehr ästhetisch verarbeitet, denn er hatte grundsätzlich Weltbilder verinnerlicht, die in ihrer Literaturauffassung gegenständlich funktionierten.1 Es ist unbestritten, dass sie wohl eine der profiliertesten deutschsprachigen Novellistinnen des 19. Jahrhunderts war. Heutzutage haben ihre Novellen aber ausschließlich einen literarhistorischen Wert, sie dienen als Illustration des ästhetischen Höhepunkts der novellistischen Gattungsgeschichte. Anders ist es um ihr Aphorismus-Werk bestellt. Wegen ihrer weltanschaulichen, thematologischen und ästhetischen Universalität wirken ihre Aphorismen weiterhin aktuell, sie werden immer wieder in Gattungsanthologien aufgenommen und oft als Beispiele eines souveränen Denkens zitiert. Ein Stück überzeitlicher geistiger Qualität ist ihnen eigen, die an Marie von Ebner-Eschenbach denken lässt, selbst dann, wenn man ihre Verdienste um die Literatur ihres Zeitalters längst vergessen hat. Dabei werden die Aphorismen von der Literaturgeschichtsschreibung noch heute als Randerscheinungen ihrer Hauptwerke betrachtet. Dass die Aphorismen im Kontext der Prosawerke ausgewertet werden, leuchtet insofern ein, als...

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