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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Edited By Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Judenmissionar und Judenchrist in Galizien. Die Freundschaft Pfarrer Theodor Zöcklers mit dem Bibelgelehrten Chajim Jedidjah Pollak

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Eine auch heute noch aktuelle und sehr umstrittene Frage ist die Frage der Judenmission, die die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche seit Jahrhunderten bewegt. Im 19. Jahrhundert entstanden in ganz Europa Vereine „für die Mission unter Israel“. Darunter befand sich auch der 1885 gegründete dänische Verein „Forening for Israelsmissionen“, der die Judenmission in Galizien unterstützte.1 Einer der Judenmissionare war der aus Pommern stammende evangelische Kandidat der Theologie Theodor Zöckler (1867‒1949), der 1891 im ostgalizischen Stanislau (poln. Stanisławów, ukr. Stanislaviv, heute ukr. Ivano-Frankivsk) Freundschaft mit dem Judenchristen Chajim Jedidjah Pollak (1854‒1916) schloss.

Theodor Zöckler wurde 1867 als Sohn des evangelischen Professors für Theologie an der Greifswalder Universität, Otto Zöckler, geboren. Von dem gutbürgerlichen und streng religiösen evangelischen Elternhaus geprägt, wuchs er in Greifswald an der Ostsee auf und folgte 1885 durch die Aufnahme eines Theologiestudiums an der Universität seiner Geburtsstadt dem beruflichen Vorbild seines Vaters. 1887 setzte er sein Theologiestudium an der Universität Leipzig fort, wo er die Vorlesungen über das Alte Testament des bekannten Leipziger Professors Franz Delitzsch (1813‒1890), eines Freundes seines Vaters, hörte.2 ← 461 | 462 → Franz Delitzsch war als alttestamentlicher Exeget, der über hervorragende Kenntnisse der hebräischen Sprache verfügte und zahlreiche Bibelkommentare verfasst hatte, ebenfalls mit den rabbinischen Schriften vertraut und stand im engen Kontakt mit jüdischen Gelehrtenkreisen. Überzeugt von der bedeutenden Aufgabe der evangelischen Kirche bei der Judenmission, gründete...

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