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Odysseen des Humanen

Antike, Judentum und Christentum in der deutschsprachigen Literatur- Festschrift für Prof. Dr. Maria Kłańska zum 65. Geburtstag

Katarzyna Jastal, Pawel Zarychta and Anna Dabrowska

Literatur war und ist ein Ort menschlicher Identitäts- und Wertefindung, an dem die Kontingenzen individueller und historischer Erfahrung in universale Kontinuitäten eingeschrieben werden. Sie ist auch ein Ort, an dem antike, jüdische und christliche Traditionsbestände durch ihre Fortsetzung und Neusemantisierung wieder aufleben und nicht selten zu Grundmustern individueller Sinnstiftung werden. Von dieser Grundbeobachtung ausgehend, begeben sich die Autorinnen und Autoren dieses Bandes auf die Suche nach solchen Kontinuitäten und Neusemantisierungen der antiken, jüdischen und christlichen Narrative in der älteren bis jüngsten deutschsprachigen Literatur. Sie rekurrieren auf die Forschungsinteressen von Prof. Dr. Maria Kłańska, der diese Publikation zum 65. Geburtstag gewidmet ist.
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Der Amazonen-Mythos im Mädchenbuch: Taube unter Falken von Katherine Allfrey

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Gegenwärtig ist das Fantasy-Genre bei Erwachsenen wie Kindern und Jugendlichen sehr populär. Filme, Comics, Computerspiele und Romane schildern Abenteuer und Heldentaten in Phantasiewelten und kreieren mythische Erzählungen, die traditionelle narrative Grundmuster weiterführen und häufig auch Personal und Begebenheiten einem Fundus zumeist europäischer Mythen entnehmen. Diese werden durch Abwandlungen, Neukombinationen und Umdeutungen oft stark verändert und den Bedürfnissen der Gegenwart angepasst, aber dadurch auch weiter tradiert und lebendig erhalten.

Das gilt auch für den Mythos von den fremden, kriegerischen, schönen Frauen, die in offenen Schlachten gegen Heere von griechischen Männern antreten und viele von ihnen töten, zuletzt aber besiegt werden. Überliefert ist der Mythos von einem kriegerischen Frauenvolk in der Literatur und bildenden Kunst der griechischen Antike, bereits in der Ilias des Homer wird das Volk der „männergleichen“ Amazonen erwähnt.1 Der Amazonen-Mythos hat schon in der Antike verschiedene Ausprägungen und danach eine vielfältige Rezeption erfahren, die von den humanistisch gebildeten Elitekulturen früherer Jahrhunderte bis zur gegenwärtigen Massenkultur reicht. Es würde zu weit führen, hier diese internationale Rezeptionsgeschichte zu skizzieren, zu der bislang vor allem Sammelbände und Ausstellungskataloge einen Überblick geben und zahlreiche Einzel- und Spezialuntersuchungen vorliegen.2 Die Kinder- und Jugendliteratur wird dabei wenig beachtet, doch auch hier spielt der Amazonen-Mythos eine gewisse Rolle bei der Gestaltung einzelner Mädchenfiguren,3 der Konstruktion von phantastischen Abenteuergeschichten oder in unmittelbarer Thematisierung, und das nicht erst ← 135 | 136 → in...

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